Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

TELESKO, Werner: Die Seitenbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald. Ein Beitrag zur Frömmigkeitsgeschichte im maria-theresianischen Zeitalter

Die Seitenaltarbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald geweiht, weßhalb auch jährlich am Namensfeste der sei. Jungfrau das Kirchweihfest feyerlich begangen wird . Der darin enthaltene Hinweis auf die zwei Seitenaltäre wird in den Ausführungen zu den Jahren 1785 bis 1791 präzisiert: Die Kirche hatte Anfangs nur einen hölzernen Thurm u. 2 Glocken, jene von Joseph Winter angeschaffte u. eine größere mit 230 Pfund, welche der Hr. Abt von Heiligen­kreuz als Patron der Kirche hersteilen ließ. Der Hochaltar kam von der Kirche zu Pfaffstätten, mußte aber später, weil er schon zu sehr abgenützt war, wieder iustiert werden. Die 2 Seitenaltäre, welche zu Ehren des hl. Franz Xaver, links zu Ehren der h. Theresia, ließ die Kaiserin Maria Theresia ursprünglich für Laxenburg machen; allein da sie beym Bau des neuen Schloßes verkauft wurden, erstand sie das Stift Heiligen­kreuz für Sulz um 50 fl.6 7 8. Die hier gegebene Notiz stellt klar, dass es sich bei der Aufstellung der beiden Altäre in der Pfarrkirche in Sulz um Sekundäraufstellungen handelt. In der Sulzer Pfarrchronik findet sich zum Jahr 1855 auch ein Hinweis von Pfar­rer P. Adalbert Wolf (Pfarrer in Sulz von 1852-1855) zu einer - wahrscheinlich ersten - Restaurierung der beiden genannten Gemälde: Endlich ließ ich die zwei Hauptbilder der Seiten-Altäre h. Theresia & Franz Xavier auf neue Leinwand spannen firnißen und putzen wofür ich dem Herrn Walzer zahlte 18 f. Für Verfertigung Eines Rahmens auf den Francisci-Altar, so wie für das reparieren und anstreichen der beiden Altäre habe ich dem Tischler gegeben 3 f 20.* Der in den Quellen enthaltene Hinweis auf Laxenburg als ursprünglicher Aufbe­wahrungsort der beiden Altäre läßt sich mit Hilfe des im Haus-, Hof- und Staatsar­chiv in Wien aufbewahrten - und wahrscheinlich um 1760 angefertigten - Grund­risses der Pfarrkirche von Laxenburg (Abb. 3)9 konkret belegen. In diesem von Nicolaus Pacassi erstellten Grundriss, der mit „Interiore della Chiesa Parochiale di Lassemburgo.“ bezeichnet ist, sind die Altäre eingezeichnet und mit den entsprechenden Patrozinien in der Legende angeführt. Der Plan zeigt fünf Altäre: den Hochaltar (für den 1767 Zahlungen überliefert sind), an den Schrägwänden vor der Kommunionbank die zwei kleineren Seitenaltäre des hl. Franz Regis SJ und der hl. Theresia von Avila sowie die beiden großen Seitenaltäre der hl. Anna und des hl. Franz Xaver.10 Es handelt sich dabei durchwegs um Heili­ge, deren Verehrung besonders durch den Jesuitenorden gefordert wurde.11 Elisa­beth Springer12 nimmt an, dass die Auswahl des hl. Torrellus (Victoreilus) von 6 Wallner - Zeller: Pfarr-Gedenkbuch, S. 7. 7 Ebenda, S. 8; Watz 1: Sulz, S. 7. 8 Wallner- Zeller: Pfarr-Gedenkbuch, S. 38. 9 HHStA, Herrschaftsakten Laxenburg, Fase. 25, fol. 13; vgl. Springer, Elisabeth (Red.): Pfarr­kirche Laxenburg. Laxenburg o.J. (1986), S. 10. 10 Springer, Elisabeth (Red.): Monsignore Karl Dinter- 1946 bis 1986 in Laxenburg- Festschrift und Kirchenführer. Mödling o. J. (1986), S. 10; Dieselbe unter Mitarbeit von Johann Foist und Georg Marinovic, Laxenburg-Chronik-Bilder-Dokumente. Laxenburg 1988, S. 66. 11 Springer: Pfarrkirche Laxenburg, S. 10. 12 Ebenda, S. 14; Springer: Laxenburg-Festschrift und Kirchenführer, S. 14. 381

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