Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

TELESKO, Werner: Die Seitenbilder der Marienkirche in Sulz im Wienerwald. Ein Beitrag zur Frömmigkeitsgeschichte im maria-theresianischen Zeitalter

Werner Telesko Konzept der „Pietas Austriaca“1 * 3 orientiert war, formuliert, als auch eine stärker an den Hof gebundene Kunstpolitik initiiert, die sich fremden Einflüssen öffnete und besonders in der Architektur (Nikolaus Pacassi, Jean Nicolas Jadot) eine deutliche Ausprägung erfuhr. 2. Die Ausstattung der Pfarrkirche in Laxenburg Die Marienkirche in Sulz im Wienerwald4 5 beherbergt zwei bisher von der For­schung vernachlässigte Seitenaltarbilder (Öl/Leinwand) mit der Darstellung der hl. Theresia von Avila OCarm und des hl. Franz Xaver SJ (Abb. 1, 2). Diese Gemälde sind in einfach gestaltete goldgefasste Altarretabel (zu Seiten des Chorbogens), die mit appliziertem Rautenmuster aus Holz dekoriert sind, eingefügt. In der unteren Hälfte dieser beiden Altarretabel befindet sich je eine kleine Skulptur eines Pestpatrons in einem Glasschrein: unter dem linken Seitenaltarbild mit der hl. The­resia von Avila der hl. Rochus, unter dem rechten Seitenaltarbild mit dem hl. Franz Xaver der hl. Sebastian. Die Altarretabel, die als einfache Aufsätze gestaltet sind, schließen auf beiden Seiten mit Volutenbasen ab. Der bekrönende Giebel mit ab­schließendem Kreuz wird von zwei postamentartigen Aufsätzen flankiert, auf de­nen Putten sitzen. Die beiden Altäre zeigen wenig architektonisch-plastische Ak­zente und sind von gitterartig aufgelegtem Rautendekor bestimmt. Quellen zur Geschichte der beiden Altäre sind nur spärlich vorhanden. Das von Pfarrer P. Eugen Strack OCist (Pfarrer in Sulz von 1839-1845) angelegte „Pfarr- Gedenkbuch der Localie Sulz“, der erste Band der Pfarrchronik von Sulz, wurde erst um 1840 begonnen'. Somit sind Bau- und Ausstattungsgeschichte der Kirche aus der Rückschau des Quellenverfassers - mit einer beträchtlichen zeitlichen Di­stanz zum historischen Geschehen - geschrieben. Zu Bau und Ausstattung der Kirche von Sulz heißt es in der Chronik zum Jahr 1783: Den Bau leitete der k. k. Baumeister Hr. Philipp Schlucker, u. Kaspar Haischink da- mahls Prior im Stifte Heiligenkreuz, legte den Grundstein zur Kirche. Sie ist in einem einfachen aver edlen Style erbaut [...] lang, [...] breit u. verhältnißmäßig hoch, hat einen Haupt= u. 2 Seitenaltäre, u. auf jeder Seite 10 Kirchenstühle. Sie wurde am Sonntage nach Maria Geburt den 14. Sept. zu Ehren der Mutter Gottes Maria Hilf feyerlich ein­1 Coreth, Anna: Pietas Austriaca - Ursprung und Entwicklung barocker Frömmigkeit in Öster­reich. Wien 1959, 2. Aufl. 1982 (Schriftenreihe des Arbeitskreises für österreichische Geschich­te). 4 200jähriges Jubiläum des Gnadenbildes Unserer Lieben Frau von Sulz im Wienerwald. Möd­ling o. J. (um 1948); Watzl OCist, Hermann: Sulz - Zum 150-jährigen Jubiläum der Pfarre. In: Sancta Crux 7 (1934), Nr. 5, S. 2-10, hier S. 6 f.; Don in, Richard Kurt (Neubearb ): Die Kunst­denkmäler Österreichs - Niederösterreich. Wien 4. Aufl. 1953 (Dehio-Handbuch - Die Kunst­denkmäler Österreichs), S. 344 f. 5 W a 11 n e r OCist, Karl -Zeller, Bernhard: Pfarr-Gedenkbuch der Localie Sulz, Studienausgabe der Sulzer Pfarrchronik, Bd. I, 1-153, korrigiert von Alberich Strommer OCist. Sulz/W. 1997 (masch.), S. 2. 380

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