Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)
PASETZKY, Gilda: Zwei Wiener Jakobiner und ihre Reise nach Frankreich
Gilda Pasetzky zu- noch abgeraten habe, dass sich dieser aber einige Tage danach mit seinem Freund Denkmann auf den Weg nach Frankreich gemacht habe.23 Frankreich Als Held und Denkmann von Wien abreisten, waren sie Träger verschiedener Missionen: Soltyk wollte, dass sie die Idee der „Kriegsmaschine“ in seinem Namen dem Wohlfahrtsausschuß vorlegten, um so seine geplante Ankunft in Paris vorzubereiten24 - es wurde schon darauf hingewiesen, dass er damit rechnete, als Abgesandter Kosciuszkos nach Frankreich geschickt zu werden. Die Übermittlung der Erfindung lag daher sowohl im Interesse der österreichischen als auch der polnischen Patrioten. Die beiden Reisenden kannten die Skizzen Hebenstreits gut genug, um nicht das Risiko eingehen zu müssen, die Pläne im Gepäck mitzunehmen. Von Soltyk hatten sie einen Brief, adressiert an Barss, den polnischen Chargé d’affaires in Paris bekommen, der ihnen die Kontaktaufnahme zu den polnischen Emigrierten und wahrscheinlich auch zum Nationalkonvent ermöglichen sollte.25 Außerdem sollten sie eine Kopie von Hebenstreits „Homo hominibus“, in welchem dieser seine sozialistischen Ideen darlegte, und die Grußadresse „ad Gallos“26 dem Nationalkonvent vorlegen. Hebenstreit dachte, wie auch sein Freund Riedel, dass dieses Projekt von der „Gemeinschaft der Güter“ dazu beitragen könnte, eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen. Das revolutionäre Frankreich schien ihnen das einzige Land, das diese Ideen vielleicht verwirklichen könnte.27 Die Mitnahme dieses lateinischen Gedichts veranlasste allerdings die Polizei später zur Behauptung, die Wiener Jakobiner hätten versucht, den Franzosen einen Revolutionsplan für Österreich (!) zu übermitteln.28 23 HHStA, VA 3 (alt 2-3), Verhörsprotokoll Hebenstreits, fol. 891 f. und VA 9 (alt 8) fol. 276. 24 Bericht Degens an Saurau, Wien, 25.6.1794, HHStA, VA 8 (alt: 7-8), Konvolut Riedel, fol. 35. 25 Archives Nationales [in Hinkunft: AN] Paris, AF 11, 57, plaque 415, piece 28. Held et Denkmann aux Citoyens Représentants, Maison de Santé, le 20 Thermidor an 11 [7.8.1794], zitiert nach Wangermann : Joseph, 2. Aufl. 1969 (siehe Anm. 2), S. 144. 26 Vortrag des Hofkriegsrats vom 24. Dezember 1794 über Hebenstreit. In: Körner: Die Wiener Jakobiner (siehe Anm. 17), S. 165. „Homo hominibus“ und „ad Gallos“ sind ebenda publiziert, S. 53-71. 27 HHStA, VA 9 (alt 8), Faszikel : Dritter Nachtrag zu meinem [= Riedels] Verhör, fol. 475. 28 AVA, PHSt, Ältere Polizeiakten II/2, H 58, fol. 158, Allerunterthänigste Note Sauraus, Juni 1796. Schon Degen suggerierte, Riedel hätte Held einen Revolutionsplan mitgegeben - eine Denunziation, die sich als nicht haltbar erweist, da sich Riedel zur Zeit der Abreise Heids und Denkmanns gar nicht in Wien befand. (Degenberichte 8.7.1794, vgl. Anm. 24, fol. 40 f ). Saurau übernimmt später diese Unterstellung: AVA, PHSt, Ältere Polizeiakten 11/2, H58, fol. 158, Allerunterthänigste Note Sauraus, Juli 1796. Silagi (siehe Anm. 2), S. 178 präsentiert diese leere Behauptung als gesichertes Faktum. Nichtsdestoweniger fehlt der geringste Beweis dafür, dass sie solch einen Plan mitgenommen hätten, und es war auch kein Anklagepunkt bei den Jakobinerprozessen. 354