Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)
PASETZKY, Gilda: Zwei Wiener Jakobiner und ihre Reise nach Frankreich
Zwei Wiener Jakobiner und ihre Reise nach Frankreich sich zuhause), und könnte daher bei eventuellen Unruhen von den Aufständischen eingesetzt werden.19 Einen Bürgerkrieg zu ermöglichen oder zu unterstützen, lag jedoch keineswegs in seiner Absicht. Sein Ziel, wie auch das der anderen Patrioten, war es, diesen Krieg, den sie zu Recht für verloren hielten,20 möglichst schnell zu beenden: Eine effiziente Verteidigung, so hofften sie, würde den Vormarsch der Koalitionstruppen in Frankreich stoppen, den Sieg der französischen Armee ermöglichen und so den ersehnten Frieden herbeiführen.2' „Der schlechteste Friede schien mir besser als der vortheilhafteste Krieg“,22 sollte später Riedel, zu dem Zweck dieser Maschine befragt, aussagen. Für ihn und seine Freunde war jedes Unternehmen, dass dazu beitragen konnte, die sinnlosen Kämpfe zu beenden, im Interesse der österreichischen Bevölkerung und daher nicht nur gerechtfertigt, sondern auch eine patriotische Notwendigkeit. Für die Polizei, den Kaiser und alle anderen, die das Ziel dieses Krieges (d. h. die Rückkehr zu den Zuständen vor 1789 in Frankreich) für erstrebenswert und realisierbar hielten, sollte es ein Akt des Hochverrates sein. Im Frühling 1794 bot sich schließlich die Möglichkeit, die Idee zu verwirklichen. Karl Held hatte die Bekanntschaft des Grafen Soltyk gemacht und stellte diesem eines Tages seinen Freund Hebenstreit vor. Soltyk zeigte sich an der Erfindung Hebenstreits, von welcher ihm Held schon zuvor erzählt hatte, sehr interessiert. Während eines von Held arrangierten Treffens im Wiener Augarten (es war das einzige Mal, dass sich Soltyk und Hebenstreit sahen), bat der Graf um ausführlichere Erklärungen zu Hebenstreits „Kriegsmaschine“. Dieser kam dem Wunsch nach, machte Soltyk jedoch auch auf die Risiken aufmerksam - eben dass auch die Bauern die Mittel, sich solch eine Maschine selbst zu verfertigen, zuhause hätten. Nichtsdestoweniger wollte Soltyk die Pläne General Kosciuszko schicken. Hebenstreit gab dazu seine Zustimmung, zeichnete auch die erbetene Skizze - d. h. den Schlachtkarren und dessen Einsatz in der Truppe -, überließ aber die weiteren Verhandlungen seinem Freund Held. Später erfuhr er von diesem, dass ihm Soltyk 200 Gulden Reisegeld gegeben habe, damit er nach Paris fahre und dort die Maschine bekannt mache. Hebenstreit erklärte später, dass er Held diese Reise weder 19 HHStA, VA 9 (alt 8), Faszikel : [Nachtrag] Zum Flebenstreitschen Verhörsprotokoll, fol. 275, siehe Anhang 3. 20 „Die Reden [... ] waren [ ... ] diesen Krieg betreffend, welchem ich immer einen üblen Ausgang deutete, weil ich mich nie überzeugen kann, daß Armeen gegen ein ganzes Volk sich behaupten können.“ Flebenstreit, zitiert bei: Wangermann, Emst: Von Joseph II. zu den Jakobinerprozessen, Wien-Frankfurt-Zürich 1966, S. 135. 21 Wangermann: Joseph, 2. Aufl. 1969 (siehe Anm. 2), S. 144. 22 HFlStA, VA 9 (alt 8), Faszikel: Nachtrag [zu Riedels Aussage], fol. 407, zitiert nach Körner: Die Wiener Jakobiner (siehe Anm. 17), S. 11, Anm. 22. Zum Kontext dieses Zitats siehe Anhang 2. 353