Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 48. (2000)

AGSTNER, Rudolf: Österreichische Konsulate in der Schweiz

ten, und die vierte als Paßburau [...] Generalkonsulat [...] außer den Amtsstunden völ­lig unbewohnt und unbewacht bleibt [...]. Einen jungen, unverheirateten Beamten, wie es schon vorübergehend versucht worden sein soll, in der Küche schlafen zu lassen, um eine Wache zu haben, widerspricht [...] der Menschlichkeit [...]. Von der Würde eines k. u. k. Generalkonsulates [...] kann [...] überhaupt nicht gesprochen werden. Ein Ver­gleich mit dem sehr schönen deutschen Generalkonsulat, dem französischen, ja selbst dem italienischen ist überhaupt ausgeschlossen [...]. Keines von den hiesigen Konsu­laten (circa 20) ist derartig schlecht gelegen [...]. Lippert mietete schließlich ab 1. Oktober 1910 von der „Immobiliengesellschaft Zürich“ im Haus Dufourstraße 122, Zürich V „sämtliche Räume (6 Zimmer, Kü­che, Badezimmer, WC) im Hochparterre und im 4. Stock eine Mansarde“ um eine Jahresmiete von 2 600 Franken. Der Mietvertrag lief bis 1. Oktober 1915. Am 4. Oktober 1910 erfolgte die Verlegung der Kanzleilokalitäten [...] in das Parterre des Hauses 122 Dufourstraße, Zürich V [...] und (ist) am heutigen Tage der Parteienverkehr sowie der Dienstgang in vollem Umfange aufgenommen worden [...]. Man fahrt vom Belle­vue-Platz auf der Tramwaylinie No. 1 bis zur Haltestelle Höschgasse in der Seefeld­straße, von welcher Haltestelle man das Generalkonsulat in ca. 120 Schritten erreicht [,..r Lippert litt seit langer Zeit an Nieren- und Herzaffektationen, welche bei seinem diabetischen Zustande das Schlimmste befürchten mußte und war ihm während des größten Teils seines letzten Lebensjahres Bettruhe verordnet.4* Er starb am 11. November 1911 in der von ihm bewohnten Villa Resedastra­ße 26-28 in Zürich V; sein Begräbnis fand am 4. Dezember 1911 statt, ein Gottes­dienst wurde in der Liebfrauenkirche gelesen. Lipperts Witwe Emma Marzina und die Söhne Joseph Franz Wilhelm, geb. 1897, und Christian Erwin Wilhelm Karl, geb. 1899, blieben in Zürich und erwarben 1920 das Bürgerrecht von Zürich. Bereits am 9. Dezember 1911 ernannte Kaiser Franz Josef Emst Maurig von Samfeld zum Generalkonsul in Zürich. Bedingt durch die seit Ausbruch des Ersten Weltkrieges eingetretene laufende Personalvermehrung am Generalkonsulat Zürich waren die Kanzleiräume bald zu klein. Am 22. Juni 1915 mietete Generalkonsul Maurig von Emil Strehle und O. Byland aus Zoliikon und Mellingen ab 1. Juli um 1 000 Franken jährlich ein „ergänzendes ebenerdiges Amtslokal in der Nähe des Konsulats und zwar in der Höschgasse 56“, bestehend aus 4 Zimmern. Das k. u. k. Generalkonsulat Zürich war im Ersten Weltkrieg eine Schlüsselstelle für die österreichisch-ungarische Spionage gegen Italien. Eine faszinierende Rolle spielte dabei Edmund Wilhelm Rasim46 47 * 49. Bis 1915 in Mailand etabliert, Reserve­leutnant im 1. Regiment der Tiroler Kaisetjäger, wurde er über Wunsch des k. u. k. Österreichische Konsulate in der Schweiz - Teil I 46 ÖStA, HHStA, AR, F 4, K 193, K. Zürich 48 Res vom 13. Oktober 1909. 47 Ebenda, GK Zürich 48 Res vom 4. Oktober 1910. 4* Ebenda,Kl 93, Pers. Akt Lippert, GK Zürich 178 Res vom 1. Dezember 1911. 49 * Wien 12. Mai 1883, t Wien 31. Juli 1939. 27

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