Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II 9. Dem Hätzenberger, seiner Frau und den Kindern vermacht er 6 000 Gulden und vier Kleider mit aller Zugehörung aus seiner Guarderoba. 10. Alles Übrige, von meinem Guth, es sey ligent oder fahrendt, Silbergeschmeidt, Cleinodia, Claidung etc. [...] dass alles schaffe und vermache ich der Röm. Khay. May. Herrn Ferdinando dem Andern [...] , den ich denn hiemit zu meinem rechten Universalerben benennt und instituirt haben, auch unterthenigst bitten will, diesen meinen letzten Willen allergnädigst zu exequiren verschaffen, die Legata abzurichten und meine Schulden abzuzallen, auch meiner Officir und Diener abfertigen zu lassen genadigest zu befelchen. Wie ich dann herinnen meinen und andern mein allergehorsambistes Vertrauen in allerhechst gedachte Ihr Khay. Majestät festikhlich setzen undt benebens demselben umb die mihr villfeltig erzeugte und noch erzaigende khay. Gnaden allerundterthenigst be- dankhen thu. Als Zeugen hat er hohe Beamte gewonnen: Johann Baptist Freiherm von Werdenberg, Hans Ruprecht Hegenmüller und Herrn Hans Paul Spindler. Dann folgt sein Siegel und seine Unterschrift, die noch recht kräftig aussieht. Im Kodizill verrät eine sehr zittrige Unterschrift, daß es ihm schon sehr schlecht gegangen sein muß. Darin überträgt er die unter Punkt 2 genannte Summe von den Wiener auf die Grazer Jesuiten. Außerdem vermacht er seinem Kämmerling Pietro Vaglini 1 000 Taler und seinem Mundschenk Wenzel Anfang 500 Gulden. Zu allerletzt wird noch ein Legat von 500 Gulden für den Kammerknaben Hans Georg Graf von Schamberg in den leeren Raum vor dem Siegel eingefügt.514 Bemerkenswert ist, daß er seines leiblichen Bruders mit keiner Silbe gedenkt. Insgesamt wird in dem Testament über etwas mehr als 110 000 Gulden-für Schulden und Legate - verfugt. Am 29. August, an seinem letzten Tag, leisten ihm sein langjähriger Stallmeister Häuserer, der Kammerdiener Ballaine, die Franziskanerpatres Custus und Valentinus (sein Beichtvater), der Kammerdiener Reischl und der Kammerknabe Hans Georg Graf Schernberg Gesellschaft. Am Totenbett hat Don Matthias gebeichtet und sich mit dem Herrn versehen. Er ist recht gefaßt, was aus seinen letzten Worten an seinen Stallmeister - vor mehreren Zeugen - hervorgeht: Häuserer, Ihr werdet Euren Rest ohne Klage bekommen, dann Ihr mir allzeit woll gedient habt und es werden Commissarii verordnet werden, die werden euch schon in Acht nehmen.515 516 Der Arzt Säbisch berichtet, daß er sehr auf die Bezahlung seiner Schulden bedacht gewesen sei, daß er auf dem Siechenbett mit herzlichen Seufzern wohlbedechtig gebeten, damit nach seinem Ableben menigklich, sonderlich aber Medici, Apotheker und Balbirer möchten bezahlt werden.515 Danach schließt Matthias die Augen für immer. Die genaue Todesursache ist nicht bekannt, doch muß es eine sehr bösartige Krankheit gewesen sein, die ihn in 514 HKA, RA-I00B, fol. 254-258. 515 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 3, 16. 516 Ebenda, fol. 128 f. 89