Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper auf 3 Monate 1 800 Gulden vorgestreckt hat. Es ist wirklich ein weißes Blatt, nur mit Siegel und Unterschrift von Don Matthias. Der Betreff, der Text mit dem Dar­lehenstext, befindet sich auf der zweiten Seite des Doppelblattes.510 Don Matthias muß großes Vertrauen zu Hätzenberger gehabt haben, denn dieser hätte auf die erste Seite ja jede beliebige Summe einsetzen können. Auch von seinem Diener Häuserer borgt sich Matthias 1 000 Gulden aus - seine Diener dürften nicht schlecht verdient haben, denn diese Summe entsprach dem, was ein kleiner Beam­ter in 8 Jahren verdiente. Noch einmal wird sein Hofstaat vergrößert: Don Matthias hat einen Jüngling, einen ehemaligen Juden Otto Gottfried Münß zur Taufe geführt und dann zu dem kaiserlichen Kammertürhüter Johann Tamas gebracht, damit der ihn im Beruf des Silberkämmerers und Tafeldeckers unterweise. Das Lehrgeld, immerhin 110 Taler, bezahlt Don Matthias.511 Im Juni 1626 eröffnet sich für Matthias die Möglichkeit, zu seinen fürstlichen Titeln auch ein richtiges Fürstentum zu erwerben. Das Fürstentum Sagan steht zur Disposition - Matthias bittet dämm und ist auch bereit, dafür die Obligation über die 300 000 Gulden zurückzugeben.512 513 Seiner Bitte wird aber nicht entsprochen. Am 19. August finden wir ihn wieder am Tennisplatz. Es ist das letzte Mal, daß er seinem Lieblingssport nachgehen kann, danach fesselt ihn eine Krankheit ans Bett. Der Barbier und Wundarzt Christoph Lebersack setzt ihm in seiner Krankheit 5 Vesicatoria515 auf, doch das Leiden wird nicht besser. Am 28. August 1626 verfaßt er sein Testament, schwachen Leibes, jedoch bei guter Vernunft. Es umfaßt 10 Punkte und ein Codicill. 1. Sein Leichnam soll mit dem Habit des heiligen Franciscus bekleidet und ohne alle Pracht in der Wiener Franziskanerkirche bei Sankt Hieronymo in der Mönchsgruft begraben werden. Dafür und für ewiges Gebet vermacht er dem Gotteshaus 25 000 Gulden. 2. Die „Bruderschaft unserer lieben Frau“ im Professhaus der Wiener Jesuiten soll 1 500 Gulden erhalten. 3. Die Armen im Bürgerspital St. Marx und beim Wiener Klaghaus sollen 500 Gulden bekommen. 4. Seinem Hofmeister Hans Philipp Schnepf vererbt er als Abfertigung 1 000 Taler. 5. All seine Offiziere sollen ihre Besoldung erhalten. 6. Er bittet um eine ehrliche Bezahlung seiner Schulden. Er nennt Namen und Summen - so soll Hätzenberger 32 000 Gulden, Adrian de Bries 34 665 Gulden, Franz Stein, Handelsmann allhier 5 000 Gulden erhalten. 7. und 8. Der Leibmedicus Matthias Judicus und der Rechten Doctor Paul Hie­ronymus von Ells sollen je 200 Dukaten erben. 510 HKA, Nö. K, 1648 Feb 25, fol. 4. 511 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 30r und 142 f. 512 HKA, HF-Prot., w. Nr. 716, fol. I67F 513 HKA, Nö. HA, W 61A/9, fol. 875. Vesicatoria sind Arzneien gegen Blasenleiden. 88

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