Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. ainzigen Khlepper hab. Ferrari leiht ihm auf 8 Tage 700 Taler, berechnet aber 7 % Zinsen.472 * Ob das für Werbung und Musterung gereicht hat, scheint fraglich. Ins Feld gezogen ist er jedenfalls nicht —das wissen wir, weil er auch den ganzen Sommer über Tennis gespielt hat. Er dürfte aber doch eine militärische Aufgabe gehabt haben, denn Anfang Mai werden ihm - via Kriegszahlmeister Peter Sutter - vom Prälaten von Kosterneuburg 2 000 Gulden und am 4. Mai vom Abt von Lilienfeld 1857 Gulden zugesagt.471 Trotz aller Geldsorgen scheint ein Sparkurs nicht in Frage zu kommen, ganz im Gegenteil: am 6. Mai 1624 wird der Wenzel Adam Anfang als Mundschenk mit 200 Gulden jährlich aufgenommen.474 Mitte Juni plant Matthias auf ein Zeit außer Landes zu reisen. Deshalb will sein Anwalt Friedrich Prenninger, daß sein Deputat beim Dreißiger von Ungarisch Altenburg, das am 1. Juli fällig sei, etwas früher ausbezahlt würde. Das geht aber nicht, denn der Dreißiger von Ungarisch Altenburg hat kein Geld in der Kasse und außerdem ist das halbe Deputat erst am 24. August fällig.475 Die Reise kann höchstens zwischen 1. und 22. September 1624 stattgefunden haben - in diesen Tagen gibt es kein Tennis. Obwohl er offensichtlich nicht dient, scheint er doch die Gnade von Ferdinand II. zu genießen. Der will nämlich im Juni 1624 das Einkommen von Matthias auf eine solidere Basis als die unzuverlässigen Amtseinnahmen stellen. Matthias soll in Böhmen oder anderswo Güter bekommen, und zwar so viele, daß die 5 % Zinsen davon ein Jahresdeputat von 15 000 Gulden ausmachen. Die Güter sind jedoch nur als Fidei-Commiss zu verstehen, er darf sie nicht verkaufen oder belasten. Wenn er mit Vorwissen und Konsens des Kaisers heiratet, dann dürfen seine Kinder die Güter erben. Hat er keine Erben, so kehren die Güter in kaiserliche Disposition zurück. Bis er in Besitz der Güter kommt, soll er eine Interimsobligation über 300 000 Gulden erhalten. So eine Obligation ist insofern finanziell sehr interessant, weil der Kaiser selbst sich verpflichtet, die 300 000 Gulden zurückzuzahlen - damit lassen sich leicht Kredite aufnehmen. Matthias ist trotzdem nicht ganz zufrieden. Zum ersten will er die Rechte seiner zukünftigen Frau besser gewahrt wissen - er will das Heiratsgut seiner Frau darauf versichern und ihr davon eine Morgengabe aussetzen. Zum zweiten will er zumindest über 100 000 Gulden ohne Einschränkung verfügen können (etwa für Legate) - schließlich hat seine Schwester auch 100 000 Gulden Heiratsgut ohne Bedingungen bekommen und außer Landes führen dürfen - und zum dritten möchte er seinen Bruder als Erben eingesetzt wissen, falls ihm selbst etwas zustoße. Dasselbe soll umgekehrt auch für Don 472 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 171+176. 475 HKA, Nö. K, 1629 Feb 15. 474 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 48v. 475 HKA, Nö. K, 1624 Jun 10. 81