Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Christian Sapper er dem Pestaluzzi etwa die Hälfte seiner Schulden — nämlich 7 354 Gulden-zu- rückzahlen.4” Die sizilianische Hochzeit ist endgültig gescheitert - also wird nach einer neuen Braut gesucht. Wieder gibt es eine Erbtochter, die des Fürsten von Val di Taro, ein (nominelles) Reichslehen in Ligurien. Matthias ist interessiert, aber auch sein Bruder Karl, die Familien der Medici, Spinola u.a. Nach dem Bericht von Ferrari, dem Vertreter von Matthias in Mailand, hat der Fürst dem Erzherzog Leopold versprochen, seine Tochter dem Don Karl zu geben. Dieses Versprechen wäre angeblich das Haupthindernis — il maggiore ostaculo - für eine Ehe mit Matthias gewesen - jedenfalls kam die Hochzeit nicht zustande.457 458 Zumindest mit Ferdinand II., der nach monatelangen Verhandlungen auf dem Fürstentag in Regensburg wieder nach Wien zurückkehrt, scheint alles zu klappen. Im Mai schreibt ihm Matthias: Allergnädigster Herr. Daß Euer Kays. May. als Pater Patriae, mit gewünschtem Friedensstand, guetem Aufwesen und Leibsgesundthaidt sambt der khayserlichen Gemahl als populi honore widerumb alhero gelangt, dessen thue ich mich als dero pflichtschuldigster Cliens und allergehorsambister Diener allerunderthenigst hoch erfreyen und trösten. Danach kommt er zur Sache, er will wegen der enormen Teuerung ein aiuto di costa, sonst wäre es ihm schlechterdings unmöglich, sich [...] sambt meinen Leuthen, von meinem ordinari Deputaten in solcher schwären Zeit hinauszubringen, geschweigen Euer Kay. May. zu schuldigsten Ehren, auch meinem Stand gemäß aufzuwarten und dieselbe zu bedienen. Daraufhin bewilligt ihm Ferdinand II. am 17. Juni eine extraordinari Geldhilfe semel pro semper in der Höhe von 6 000 Gulden aus den niederösterreichischen Ämtern.459 * 461 Es ist die Zeit der großen Inflation, wo man das minderwertig geprägte Geld, das sogenannte „Lange Geld“ für bare Silbermünze annehmen mußte. Da dies das einzige Geldgesuch von Matthias in diesem Jahr ist, scheint es ihm ganz gut gegangen zu sein. Sogar Schulden kann er bezahlen4“ - vermutlich hat die Infantin Isabella Geld geschickt. Auch zum Erwerb von Grundbesitz hat Matthias offenbar Geld: Für 1185 Gulden wird er Besitzer von 33 Tagwerk Wiesen bei Königsbühel, Breitenfurt und Perchtoldsdorf.4'’1 Die Inflation bietet ihm Anlaß zur Klage: Als er zu Bartholomäi (24. August) seinen Boten zur Maut Ybbs schickte, wo 1 000 Gulden fällig waren, hat man ihm den Reichstaler, in dem Werth, wie er aniezo insgemain ausgeben würdet, offeriert. Matthias bittet nun den Kaiser, daß ihm sein Deputat in Reichstaler zu 457 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 257. 458 Ebenda, fol. 159 f. 459 HKA, HF, r. Nr. 190, 1623 Jun 17. 46(1 HKA, Nö. HA, W 61A/9, fol. 889. 461 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 62 f. und Nö. HA, P 20, fol. 378-398. 78