Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Christian Sapper Khevenhüllers Bericht vom 28. September erfahren: Zu anfang dies Monats hat man mir.von Barcelona geschrieben, daß Don Matthias in Spanien angelangt und nach dem königlichen Hof zu reisen willens sey. Wie mir nun wohl wissend gewest, daß diese Herkunft I. Kon. M. und der Erzherzogin Margareth nit gelegen sein wird, also hab ichs [erg.:Ihrer Mjt] erindert. Die haben mir durch den Secretarium schriftlich gn. anbefehlen lassen, ich soll angezogenem Don Matthias mein eigenen Diener zuschiecken umb ihn von der Weiterreis abhalten und wiederumb zu der Rückreis persuadiren, dann I. Dl. gn. Wissen tragen, daß I. Kon. M. solche Herkunft ohne Erlaubnus und sonderlich, wo er Don Matthias keine Schreiben von 1. Kais. M. und Erzherzog Albrecht mitbringt, zu sonderlichem Unwillen vermerken würden. Darauf ich alsbald mein Diener, mit Einschließung l.f. D. gnäd. Befehl an mich, fortgeschickt, der ihn 6 Meilen von hier angetroffen. Und wie er das Schreiben gelesen, hat er sich wieder zurückzureisen, weil er ganz bloß an Geld, entschuldigt und mit mir mündlich zu reden begehrt. Daraufhin bin ich mit Erlaubnis hochf. Dhl. dreimal von hier auf ein Dorf Barajas genennet, dahin er auch kommen, spazieren gefahren und ihme dahin persuadirt, daß er sich unbekannter zwo Meil von hier, bis man sein Ankunft dem König wird melden und I. Mt. Willen darüber vernehmen, aufhalten sollte; wie es derweilen zugehen wird und an so teurem Ort weiß ich nit. Dann er sich auf ein so weite Reise ohne Geld begeben und wird vielleicht vom König sobald nicht soccorirt werden. Soll er nun Not leiden müssen, können E. Ks. M. selbst allergnädigst erachten, was es für ein Reputation bei den Spaniern erhalten würde, in Bedenkung, sie die Natürlichen den ehelichen Kindern fast gleich halten. Erzherzog Maximilian hslg Ged. ist nur mit 5 Personen, Markgraf von Burgau mit 3, Landgraf Ludwig von Hessen mit 6 herein gereist und darüber sehr viel spendiert. Herr Don Matthias hat in die 12 Leut bei sich und wird ihm die Zehrung schwer werden. Seine Heirat kann dergestalt nit tractirt werden, dann sie muß in der Still allein von E. Ks. M., Erzherzog Albrecht und beiden Infantas Dona Isabel und Dona Margaritha en- caminirt und nit in den spanischen Rat (die tausend Einwürf darwider haben oder hätten) gebracht werden. Wie ichs dann in Anfang mehrgedachtem Herrn Don Matthias zum oftennalen avisiert und daher, wanns nit sein Effect erreicht, in allem entschuldigt sein will. Am gleichen Tag schreibt Khevenhüller an Erzherzog Albrecht und an Eggenberg, daß er sich in Barajas mit Matthias als Unbekannter (in Bedenkhen-sein, daß sein Hiersein genugsam lautbar zu Caramandel) getroffen habe, daß er keinen Pfennig und keinen Heller mehr habe und daß Ir Dhl. haben ihn nit sehen oder hören, sondern vielmehr wieder zurück haben wollen.. Ich hab vermeint, Don Balthasar soll das Beste tun. So antwortet er mir heute nachfolgende Wort: Der Herr Don Matthias hat mit seinem Herkommen einen Fehler begangen. Er hätte besser als Soldat oder noch besser als Kleriker gedient, auf alle Fälle hätte es in Böhmen bessere Aufgaben für ihn gegeben.40' Mit Don Balthasar ist wohl Don Balthasar de Zuniga, ehemals Botschafter bei Rudolf II., gemeint. Barajas ist heute als Flugplatz von Madrid wohl bekannt, dort erklärte Don Matthias dem rührigen Khevenhüller, daß Erzherzog Albrecht und Suarez ihm zur Reise nach Spanien geraten hätten, was diesem recht unglaubwürdig erscheint. Postwendend beteuern sowohl Erzherzog Albrecht als auch Suarez, daß sie von der Reise des Don Matthias nichts gewußt haben. Der Erzherzog will aber trotzdem, daß Don Matthias in etwas accomodirt werden möchte. 405 405 HHStA, Spanien, Dipl. Korr. Khevenhüller aus dem OÖLA, Jg. 1621, S. 772-812 und 823. 66