Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. Am 5. Oktober schreibt Khevenhüller dem Kaiser, daß Don Matthias, da er ohne königliche Erlaubnis nach Spanien gekommen ist, anstatt sich seiner Valor und Geblüt nach im böhmischen Krieg verdient zu machen, kaum empfangen werden wird. Dem Vernehmen nach will man ihm Geld geben, damit er wieder hinausreist. Zwei Wochen später meldet er, daß Don Matthias, wie erwartet, unverrichteter Dinge wieder abreisen muß, sobald es seine Schwachheit zuläßt. Für die Rückreise erhält er 3 000 Dukaten und weitere 3 000 Dukaten zur Begleichung seine hiesigen Schulden. In seiner Prätension der Pension halber wird er in Österreich Bescheid erhalten. Matthias hatte also vor den Toren Madrids auf eine Audienz beim König gewartet, war dabei arm und krank geworden und doch nicht empfangen worden. Am 9. November, nach Wiedererlangung seiner Gesundheit, trat er schließlich die Rückreise an und obwohl er den König 14 000 Dukaten in barem Geld gekostet, so reist er doch nit zum besten content, weil er 1. Mt. nit hat die Hand küssen können. Mit ordentlicher Anmeldung und kaiserlichen Briefen wäre er sicher stattlich empfangen und tractirt worden. I. hochf. D. Erzherzogin Margareth haben mir gnädigst befohlen, ihn unbekannterweise zur Nachtzeit zu derselben zu bringen und hat seine Audienz über eine Stunde gewährt. Die Erzherzogin Margareta war wohl sehr neugierig auf den Sohn ihres Bruders. Auf sie hat er einen guten Eindruck gemacht, denn Khevenhüller schreibt, daß Erzherzogin Margareta mit der Entschuldigung des Don Matthias gar content ist. Matthias hingegen ist mit seiner Abfertigung aber gar nit content und hätt ich nicht starke Diligenz gebraucht, hätt der gute Herr Not leiden dürffen; als ist er doch mit 4 000 Kronen auf die Reise und 5 000 für hiesige Schuldenbezahlung darvonkommen. Seine Diener geben schlechte Wirte ab und betrügen den guten Herrn umb vieles. Nicht bloß wird er von seinen französischen Dienern betrogen; sie wollen ihn überreden, sich an den französischen Hof wegen einer Pension zu begeben.406 Khevenhüller bittet Erzherzog Albrecht, Matthias davon abzuraten, denn ihm vertraue Matthias von ganzem Herzen. Das Heiratsprojekt könne so jedenfalls nicht verwirklicht werden. Don Matthias, so befindet Khevenhüller, betreibe die Hochzeit ohnedies nicht sehr ernsthaft: Ich befind aber, daß Don Matthias mehr afection zu der Condessa de Hochstrat haben mecht, darum ist hierin sicher zu gehen, dann der gute Fürst sich zwischen zwei Stühlen nierdersitzen kunnt. Von Madrid begibt sich Matthias geradewegs in die Niederlande, ohne in Burgos die Äbtissin Dona Ana, die Tante der Braut aufzusuchen, worüber diese sich bei Khevenhüller bitter beschwert. Auch Khevenhüller ist, wie wir seinem Schreiben an Suarez entnehmen, verschnupft: Mit unserm Herrn Don Matthias kann ichs nit verstehen; er hat die bewußte Heirat in 406 HHStA, Spanien, Dipl. Korr. Khevenhüller aus dem OÖLA, Jg. 1621, S. 827-904 f. 67