Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper Braut. Er schildert ihr die Vorzüge von Matthias und betont, daß der Kaiser, die erzherzoglichen Hoheiten Albert, Ferdinand und Margareta die Ehe mit Don Mat­thias wegen seiner valor y virtudes befürworten würden.395 * Die Dame will aber etwas mehr über Matthias wissen und bringt Khevenhüller damit ganz schön ins Schwitzen, wie wir aus seinem Schreiben an Antonio Suarez erfahren: Dona Ana begehrt die jährlichen rentas und estados von Don Matthias zu wissen. Der Herr als Herrn Don Matthias großer Freund soll mir sagen, was ich ihr antworten soll, denn die Unwahrheit zu tractiren (obwohl ein Ehrenlug in dergleichen occasionem nit schadet) hab ich nit in Brauch. Ich mein aber, wann diese Heirat ihren Vortgang errrei- chen sollt, König Ferdinand und ir hochfürstl. Durchlaucht, würden gedachten Herrn Don Matthias gn. assistiren. Wie man mir von Wien schreibt, so vermein ich, seine Excellenz sein zu Brüssel; wann dem also, so bitt ich mein Herr, er wolle sich mit ihm unbeschwert angezogener Antwort halber unterreden und mir ihr beider Meinung dar­über folgen lassen.1'* Doch nun zurück zu Matthias, der sicherlich froh gewesen sein wird, die winter­lichen Schlachtfelder Böhmens gegen das Leben am Hofe in Brüssel eintauschen und in Spanien auf Brautschau gehen zu können. Auf der Reise kommt er durch Frankreich und nimmt von dort den jungen Franzosen Peter Ballaine als Kammer­diener auf, der ihn bis an sein Lebensende begleiten wird.397 Allerdings versäumt Matthias durch seine Reise entscheidende militärische Ereignisse, wie die Schlacht am Weißen Berge, was man ihm noch zum Vorwurf machen wird. Er ist elf Mo­nate unterwegs. Sein Hauptmann, Mundschenk und Stallmeister Hans Christoph Häuserer versorgt einstweilen den hinterlassenen Haushalt. Der Bruder Don Karl bezeugt, daß Häuserer während der ailf Monat lang, als gedachter unser Herr Bruder in Hispanien gewesen, seine alhier hinderlassene Roß und Leuth aus sei­nem aigenem Seckel und baarem Geld ausgehalten. Dafür hat er sein Geld herge­geben, sein Haus in Wr. Neustadt verkauft, seinen Kürass, Ketten und Ringe ver­setzen müssen. Don Matthias hat ihm anscheinend kein Geld zurückgelassen- dafür hat er sich für die Reise prächtig ausstaffiert - davon zeugt eine am 25. Mai 1619 ausgestellte Schneiderrechnung über 2 371 Gulden für goldfarbenes Taffet, goldfarbene Seidenbänder, goldene und silberne Knöpfe und dergleichen mehr.398 399 Um die Reise überhaupt antreten zu können, erbittet er sich einen Vorschuß auf sein Deputat für seine fiirhabende Rais nach Hispanien.399 Am 15. Mai 1619 bewil­ligt dies Ferdinand II. und verfügt, daß die Prälaten vom Schottenkloster und Her- zogenburg dem Don Matthias eine Obligation über 2 000 böhmische Taler-die halbe Gebühr für die nächsten drei Jahre (1620 bis 1622) aus der Geistlichen Kon­tribution - ausstellen sollen.400 Am 21. Mai stellt er ihm in Wien auch ein Emnfeh­395 HHStA, StA, Spanien, Dipl. Korrespondenz, Karton 15, S. 178 f. 596 HHStA Spanien, Dipl. Korr. Khevenhüller aus dem OÖLA Linz, Jg. 1619, S. 551 f. 397 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 41. 398 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 1 - 29 und I 10. 399 HKA, HF-Prot. w. Nr. 687, fol. 102v. 400 HKA, HF, r. Nr. 178, 1619 Mai 15. 64

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