Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. menhang mit seiner Werbung einer absonderlichen Compagnie Reuters384 wird abgelehnt. Im Juli schreibt Erzherzog Albrecht, daß er den General Karl Graf Bou- quoy wegen der Lage in Böhmen nach Österreich geschickt habe.584 585 586 Der übernimmt das Kommando über das 11 000 Mann starke Heer, das vor Pilgram, etwa 100 Kilometer vor Prag im Taborer Kreis, lagert. Am 28. August reist er nach Pil­gram, wo er willig aufgenommen und auch durch sechs Wochen hindurch verpflegt wird. Er verschanzt sich, will jedem Kampf ausweichen und warten, bis er der Stärkere ist. Bei ihm ist auch Don Matthias mit seiner Reiterei. Am 14. September wird bei Czaslau ein Kampf gewagt, der ohne Entscheidung bleibt. Am 26. September sendet Bouquoy den Don Matthias nach Wien - aus welchem Grund wissen wir nicht. Der General gibt Don Matthias das folgende Begleitschreiben an den Kaiser Matthias mit: Es verreist Don Matthias aus alhießigem Veldtlager nach Wien, dessen guete Quali- teten, aufrichtig und dapferes Gemüeth auch sonder Lust so er zum Khriegswessen hat, ich etlichermaßen gespüert, und solche Hoffnung weiteres Progress im Kriegswessen, von ihme geschöpfet, daß Euer Kay. Mjt ich ihme Don Matthias im Kriegswössen wann sie etwo eine Werbung fümähmen, gehorsamist zu recommendiren Ursach genom- bcn.’“ In Wien bittet Don Matthias den Kaiser wieder um Geld. Er schreibt, daß er ihn nur höchst ungern molestire, aber er habe kein Einkommen oder Kriegsbestallung und leide höchste Not. Er habt sich im Kriegswesen gebrauchen lassen und dabei seine Vorräte aufgezehrt. Dazu habe ich das Meinige, was ich in Vorrat gehabt, darbey zugesezt und verzehrt unnd nichts mehr übriges habe. Auch hab meine Clainodien, soweit mir einiglich gewe­sen, neben anderen Sachen - damit Euer May. bei diesen überhäufften Ausgaben nit beschwört werden sollen - angriffen und pfandtweis hingeben. Nach einigem Zögern gibt der Kaiser der Kammer die Anweisung, dem Matthias zunächst 10 000 Gulden zu zahlen, und zwar 6 000 aus der Maut Engelhartszell und je 1 000 Gulden vom Wiener Salzamt und aus Ungarisch Altenburg, je 660 Gulden 40 Kreuzer von den Mautämtem Linz, Ybbs, Stein. Der Anweisung geht ein Schreiben der Hofkammer an den Kaiser vor, indem berichtet wird, daß der Erzherzog Albrecht, der Graf Bouquoy und viele andere für Don Matthias in- tercediert hätten.587 Wieder einige Monate später wird ihm auch eine Kriegsbesol­dung bewilligt. Der Hofkriegsrat läßt Don Matthias Irer Mjt Kämmerer und bestellten Obristen [...] anzeigen, wasmassen Ir Mjt Ime Marggrafen in Ansehung deren die Jahr herumb in Friaul und anderwerts gelaister Kriegsdienst inmittels und bis zue mehrerer seiner Beförderung sich Gelegenheitten er­zeugen werden, ain Jnterteniment monatlicher 500 Gulden vom ersten [...] Mai anzu- raiten [...] bewilligt. 584 KA, HKR, Prot 1618 E, fol. 114 und 215. 585 HHStA, Belgische HofKorr. Karton 31, Nr. 164. 586 HKA, HF, r. Nr. 177, 1619 Jän 15, fol. 5 f. 587 Ebenda, 1619 Jän 15, fol. 1-12 und Nö. K, 40 ex Jän 1619 und HF, r. Nr. 180, 1620 Jun 11. 61

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