Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Christian Sapper Dafür muß er zu Oberfeldmarschall Bouquoi ins Feldlager gehen und auf dessen Verordnung sich zue allen fürfallenden Occasionibus gebrauchen lassend88 Anfang November 1618 gibt es bei Lomnitz bei Wittingau ein neun Stunden dauerndes Gefecht und Bouquoy muß sich auf Budweis zurückziehen. Von dort schreibt er am 3. Februar 1619, daß er endlich Verstärkung haben wolle. Ob Matthias noch bei ihm ist, geht aus den Akten nicht hervor. Danach brechen im Fleer von Bouquoy, aber auch bei den Böhmen Seuchen aus, sodaß es zu einem monatelangen, nicht ausgemachten Waffenstillstand kommt. Bouquoy kann Budweis halten und immer mehr verstärken. Am 8. Juni 1619 fügt er Mansfeld eine schwere Niederlage zu'*9, doch da ist Matthias nicht mehr bei der Truppe, sondern schon auf dem Weg nach Brüssel und Madrid. 4. 5. Das Eheprojekt Matthias mit seinem aufwendigen Lebensstil kommt mit seinem Deputat - er und sein Bruder haben jährlich 4 000 Taler- einfach nicht aus. Im Herbst 1618 etwa meldet die Hofkammer dem Kaiser, daß berichtet wird, daß Don Matthias dies Geld allein empfange und davon seinem jüngeren herrn Brüdern nichts geben, sondern Noth leiden lassend90 Um dem ewigen Geldmangel Abhilfe zu schaffen wird 1618 die Idee einer reichen Heirat ventiliert. Franz Christoph Graf Kheven- hüller, kaiserlicher Gesandter in Madrid, erinnert sich an Matthias, der ihm wohl noch von seiner Grazer Zeit her bekannt war, und will ihm eine gute Partie zuschanzen. Am 24. Juni schreibt er aus Madrid an Kardinal Khlesl: Zum Nachdenken bericht E. hf. G. ich nachfolgendes gehorsam. In Sicilien ist ein Fürst mit Namen Pricipe di Butero, ein alter Mann; der hat einen Sohn namens Principe de Piedra Persie; dieser ist mit Dona Juana verheiratet. Deren einzige Tochter ist 14 Jahre alt und wird nach Absterbens ihres Vaters und Großvaters 100 000 Dukaten Einkommen haben. Mit dieser Heirat wäre diesem jungen Herrn wohl geholfen, würdt alldort wohl [...] hoch gehalten und de Altezza tractiret werden. Zu besorgen wäre nur, setzt Khevenhüller hinzu, daß Herzog Kardinal Lerma einen seiner Freunde mit ihr verheirate und daß die Spanier in Sizilien einen solchen jungen Herrn etwa nit gern haben möchten. Drei Monate später - die Post von Wien nach Madrid benötigt 7-8 Wochen - schickt Khevenhüller ein fast gleich lautendes Schreiben an Kaiser Matthias, Ferdinand II., Erzherzog Albrecht und Erzherzog Maximilian, zu dem er noch ergänzt: der junge Herr ist dann auf sein Leben lang accomodirt, wann ihm das hochlöbl. Haus Österreich zu dieser Gelegenheit hilft. Im Schreiben an den Fürsten Eggenberg fügt er noch hinzu dem jungen Herrn ist sehr geholfen, wann er diese Heirat thuet. Ich habe den Hasen aufgejagt, er mag ihn hetzen und fangen, will treulich darzue helffen. 388 389 390 388 HKA, HF, r. Nr. 180, 1620 Jun 11, fol. 33 f. und KA, HKR-Prot 1619 R, fol. 223. 389 Hurter: Ferdinand II. Bd. 7, S. 293, 337, 374, 561. 390 HKA, Nö. K, 12 ex Sep 1618. 62