Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. mit Benefitien ihme weit beßer helffen hetten khinnen, begeben [...] wiert der Herr [...] bey andern Hülff zu suechen wissen.”8 Im Oktober 1615 finden wir Matthias und seinen Bruder in Graz; sie leiden angeblich große Not, weil sie ihr Deputat nicht erhalten haben. Matthias schreibt am 17. September in bewegenden Worten an Kardinal Khlesl, mit dem er auf sehr gutem Fuß zu stehen scheint. Khlesl nimmt die Sache in die Hand und noch am gleichen Tag befiehlt der Kaiser der Hofkammer, daß der Einnehmer der geistlichen Kontribution sofort die Gelder flüssig machen soll. Die Hofkammer wiederum sagt, daß nicht der Einnehmer zuständig ist, sondern daß die Prälaten von Melk und Klosterneuburg sich persönlich zur Zahlung von 4 000 Talern jährlich an die beiden Markgrafen verpflichtet hätten.”9 Diese Details interessieren den Kaiser nicht, er gibt den Auftrag, alle vorhandenen Gelder zuerst für Don Matthias und Don Karl zu verwenden und im Notfall das Geld zu anticipirenJ4“ Die Aufwendungen für die beiden Markgrafen sind, wie wir aus der Schlußabrechnung von Ranft erfahren - beträchtlich. Er hat sich im Dezember 1615 von den beiden eine Entlastung für seine Gebarung als ihr Hofmeister geholt. Sie bezogen aus den Krumauer Gefallen, aus dem Steuerdonativ der böhmischen Stände, aus den Kleinodien von Kaiser Rudolf und an Geldern vom jetzigen Kaiser die enorme Summe von mehr als 23 000 Talern.338 339 * 341 Zur Jahreswende 1615/1616 erfahren die beiden Markgrafen eine besondere kaiserliche Gnade: Kaiser Matthias beruft sie nach Prag zu der Coronation - gemeint ist die Krönung der Kaiserin Anna zur Königin von Böhmen. Das hat sie allein für Kleidung 650 Gulden gekostet. Zur Kostenersparung sind sie incognito gereist, d. h. Matthias ist mit seinem Hofmeister und drei Dienern mit der Post von Graz nach Wien gereist, während der kleine Bruder Karl mit fünf Dienern in zwei Wagen der großen Trugen und anderer Sachen halber nachgefahren ist. Wegen der Gefährlichkeit der Reise haben sie vor der Abfahrt Püxen, Pulverflaschen und dergleichen mehr (um 984 Gulden) eingekauft. In Wien seindt wür mit unseren Leuthen in des Herrn Negroni Haus einkehrt, alldort sechs Tag verblieben, gar stattlich tractirt worden, dafür haben sie seinen Dienstboten 20 Gulden Neues Jars geschenckht. Giovanni Negroni, Hofhandelsmann in Wien, hat bei der Gelegenheit ordentlich für sich Werbung gemacht - Matthias wird bis an sein Lebensende bei ihm einkaufen. Am letzten Tag des Jahres 1616 kauft er bei Negroni um 300 Gulden einen Ring mit einem großen Saphir342 - für wen dieses wertvolle Geschenk bestimmt war, wird nicht erwähnt. 338 HKA, RA 100B, fol. 198 f. 339 HKA, Nö. HA, G 47D, fol. 415-424 und HF, r. Nr. 162, 1615 Okt 22, fol. 1 f. 3411 HKA, HF, r. Nr. 163, 1615 Nov 10, fol. 1 f. 341 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 60 f. 342 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 204. 53