Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper Von Wien aus fahrt Matthias mit seinem Hofmeister und drei Dienern mit der Post nach Prag, Karl folgt wieder mit vier Dienern in zwei Wagen. In Prag haben sie überall Newen Jars Verehrungen verteilt und Trinkgelder gegeben, sowohl für den kaiserlichen Stall als auch für den Überbringer von ein stattliches praesent von einer ansehnlichen Person — worum es sich dabei handelt, wissen wir leider nicht. Auf des Carnevali Hochzeit (der Hofmaler Johann Baptist Canevale) haben sie 40 Gulden an Geschenken verteilt, die Frau Ranfft - ihrer Mutter - haben sie mit 100 Gulden bedacht.’4' Der bayrische Agent Bodenius berichtet am 16. Jänner: So sind Don Matthias unnd Don Carolus, Kaiser Rudolfs hochlöblichster Gedächtnus hinterlassene Naturales auch zu der jetzt vorgegangenen Kaiserinkrönung erschienen. Sie sind mit einigen Reitrossen und 3 Gutschiwägen herkommen, losieren bei Herrn Bi­schof Khlesl, der ihnen große Ehre erzeiget.343 344 345 Am 1. Februar 1616 finden wir sie im Prager Schloß, in des Kardinal Khlesls Behausung, wo sie den Stiefvater Christoph Ranft als ihren Rat aufnehmen und ihm ein Jahresdeputat von 300 Talern versprechen. Bei dieser Gelegenheit besorgt Ranft dem Matthias ein Gießbecken aus Porzellan und ein Candel in Silber gefaßt und ganz vergült - ist ein kaiserliches Werckh zu schauen gewest. Es wurde dem Grafen Hans Georg von Hohenzollem verehrt - dieser war als Reichshofratspräsi­dent für die Goldenen Bulle auf den Urkunden für Matthias und Karl zuständig gewesen.145 Für die Rückreise haben sie 3 Wagen genommen. In Wien sind sie 12 Tage bei Negroni geblieben und dann mit der Post nach Graz gereist. Für diese Reise haben sie vom Kaiser 1 000 Taler geschenkt bekommen, ihre Ausgaben waren aber dop­pelt so hoch, ihre Schulden belaufen sich nun auf 6 642 Gulden. Um das Geld auf­zutreiben reist Matthias nach Wien Jetzt newlich hab ich wegen meines Deputats widerum auf Wien raisen müssen und mit mihr meinen Hoffmaister und 3 Diener auf die Post genommen.346 347 und ersucht um eine Erhöhung ihres Jahreseinkommens. Dies wird aber abge­lehnt. Auch die Reise nach Prag hätten sie aus ihrem Deputat bezahlen sollen, aber aus besonderer Gnade wird der Mehrverbrauch von 6 642 Gulden aus der geistli­chen Kontribution von 1617 bezahlt werden. Dafür soll Matthias für eine ordentli­che Versorgung seines Bruders sorgen. Außerdem erhält Matthias einen Betrag von 1 000 Gulden fúr seine vorhabende jetzige niederländische Reise f 343 HKA, Nö. K, 1616 Aug 12. 344 BHStA, Hofzahlamtsregistratur I, Fase. 309, Nr. 334. Freundliche Mitteilung von Frau Dr. Hilda Lietzmann. 345 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 71, 74 und 80 f. 346 HKA, Nö. K, 1616 Aug 12 und RA 100B, fol. 201 f. 347 HKA, HF, r. Nr. 167, 1616 Aug 16, fol. 1-2. 54

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