Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper den wären-er solle mit den 3 000 Talern auskommen; danach würden wieder 3 000 Taler angewiesen werden.522 Wilhelm Bodenius, der bayerische Agent in Wien, berichtet seinem Herrn: Man hat hier Verordnung getan, daß man dem Don Matthias und Don Carolo 3 000 Gulden richtig machen solle, welche sie zu Graz verzehret, und dann begehrt man hier, daß man ihnen ein jährliches Einkommen von 4000 Gulden machen soll.523 Schon ein Monat später wird das Einkommen der Brüder doch auf eine regelmä­ßige Grundlage gestellt: auf allerhöchsten Befehl erhalten Matthias und Karl ein Jahresdeputat von 4 000 Talern. Diese bedeutende Summe soll ihnen jährlich vor allen anderen Parteien aus der neu ausgehandelten Geistlichen Kontribution be­zahlt werden.322 323 324 Eine erste Liste der Gnadenempfanger für die Jahre 1613-1616 unterfertigte der Kaiser am 12. August 1614 (sie ist nicht erhalten), eine zweite Liste - für die nächsten 6 Jahre bis 1621 - am 21. Jänner 1617. In ihr wird auch die Halbschwester Donna Elisabeth bedacht.325 Eine dritte Liste umfaßt die Jahre bis 1622.326 Als der Abt von Melk sich einmal mit seiner Zahlung zu lange Zeit ließ, wurde er im Jänner 1614 vom Kaiser selbst ermahnt, seine Rückstände ehestens zu bezahlen.327 Im Besitz einer sicheren Einnahmequelle denkt Matthias auch an seine Mutter, wie wir aus seinem Schreiben aus Graz an sie erfahren: Edl tugendsambe Frau. Derselben sein mein willige Dienst jederzeit zuvor bereit. Der Frauen vom 9. Februar lautendes Schraiben an mich habe ich zurecht empfangen undt ziemblicher maßen ihr Lamentieren und große Noth daraus vemomben, mir nicht wenig zu Herzen gangen; Wasmaßen ich aber zunächst vor wenigen Wochen der Frauen zugeschrieben, verhof- fe ich, werde sie mein Mainung zimblich verstanden haben. Wessen ich mich wegen des jährliches Deputat oder Zuepußgeld resolvirt habe, nemblichen derűseiben [...] 120 Gulden zu raichen versprochen habe. Derohalben sie ihre Bekummemussen beiseits le­ge undt nicht verhoffen, da ich, wann ich zu etwas kömbe, sollt sie verlassen wollte, sondern genzlich erhoffen, ich sollches Thun aus tragender mütterlicher Liebe schuldig ware. Ich hab schon dem Negroni zu Wien zuegeschrieben, daß er der Frauen von jezi- gen Gefell 60 Gulden schicke [. . .] Auff dismals nichts anders allein sie sey von mir zum besten gegrist und in den Schutz des Allerhechsten befolchen. 26. Februar 1614. Der Frau jederzeit guetwillig Don Matthias von Österreich.32* Über die Zahlung dieses Jahresgehalts an seine Mutter wird auch eine Urkunde ausgestellt. Darin heißt es: Wir beide von Gottes Gnaden Don Matthias und Don Carolo von Österreich etc des 322 HKA, HF, r. Nr. 147, 1612 Dez 22, fol. 1. 323 BHStA, Kasten schwarz 9603, fol. 37r. Freundliche Mitteilung von Frau Dr. Hilda Lietzmann. 324 HKA, HF, r. Nr. 148, 1613 Apr 17, fol. 1. 325 HKA, HF, r. Nr. 169, 1617 Jän 21. 326 HKA, HF, r. Nr. 148, 1613 Apr 17, fol. I und NÖ. HA G 47/D, fol. 138, 172, 298 und 325. 327 HKA, HF, r. Nr. 153, 1614 Jän 19. 32s HKA, Konv. Don Matthias, 56 f. 50

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