Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. Heilligen Römischen Reiches Marggraffen, des hochseiligen Gedächtnuß Rom Khays. Mjt Rudolffs des Anderen unseres allegnädigsten Herrn Fürst und Vattern beide Söhne unnd leibliche Brüder von der edlen und tugentreichen Frauen Anna Maria, eine gebo­rene Strattin zu Roßperg, Bürgerin zu Rom, alls unser vili geliebten herzlieben Frau Muetern, die uns als rechte baide leibliche Brüder unter ihrem Herzen getragen und ge­boren hat, da ihr nachher von der Röm. Kais. Durchlaucht Rudolff dem Anderen ist der edle gestrengg Herr Christoffen Ranfften dem Alteren von Weissendall Ihr Majestät el- tister Kammerdiener wie auch fürstlicher Durchlaichtigkeitt Maximilian und des hochlöblichen Hauses zu Österreich Hofdiener, dann auch unser beider Herrn Margra- fen gedreuer lieber Rat ist ehelicher verheurath worden. Als haben wir aus [...] kindlicher Lieb [...] uns baide entschlossen, unserer herrz vielgeliebten Frau Muetter jährlichen 120 Gulden [...] ihr Leben lang zu ihrer Person Unterhalt von unserem Depudath [...] erlegen zu lassen. Auch da Gott werd uns in unseren Stand erheben, versprechen und sagen wir baide Herrn Marggraffen unser lieben Frau Muetter hiermit zu, sie in kaineswegs zu verlas­sen, wie sie denn auch deshalben von uns vili Schreiben hat, ihr dreulich zu helfen.529 In Graz wohnen Matthias und Karl zuerst bei einer Frau Casal, dann bei einem Herrn Ferich und nach einem Jahr übersiedeln sie propter multas incommodidates zu einem Herrn Jächlinger. Die letzten beiden Wohnungen mußten sie für sich herrichten und einen Stall bauen lassen. Der Hauszins für zwei Jahre beträgt nur 230 Gulden. An Einrichtung schafften sie sich an: Tisch, Bett, Kästen, Truhen für 170 Gul­den; Matratzen, Federbett, Kissen, Strohsäcke etc. für 245 Gulden; Silbergeschirr für 230 Gulden und Zinngeschirr für die Tafel um 150 Gulden, Tischwäsche um 170 Gulden; Küchengeschirr aus Messing, Kupfer, Eisen und Holz für 85 Gulden; Teppiche, Spalier und Vorhäng pro status con decentia kosten 480 Gulden. An Besoldungen für den Koch, Einkäufer, Küchenbuben brauchen sie in zwei Jahren 214 Gulden. Als Herren von Stand werden sie zu verschiedenen Hochzeiten und Taufen ein­geladen, drei magistri widmen ihnen ihre Theses und ein musicus seine opera - Ehren, die sie 184 Gulden kosten. Für Klöster, Spitäler und Almosen müssen sie 146 Gulden spenden und für Vorschüsse und Spesen zur Erlangung ihres Deputats zahlen sie 514 Gulden.55" Für die standesgemäße Versorgung kommt der Kaiser auf, weshalb er es sehr gerne gesehen hätte, wenn wenigstens einer seiner Neffen Geistlicher geworden wäre - dann wäre die Kirche für den aufwendigen Lebensunterhalt zuständig ge­wesen. Don Matthias scheint für den geistlichen Stand bestimmt gewesen zu sein und die Einkünfte eines Breslauer Dompropstes bezogen zu haben.* 550 551 Im Jänner 1613 berichtet der gut informierte bayerische Agent Bodenius, daß Don Matthias, Imperatori Rúd. II. Sohn, die reiche und ansehnliche Prälatur hier zu Klosterneuburg bekommen soll, was dem Bischof Khlesl nicht sehr gefallen soll, weil 529 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 82 f., 72 und 56 f. 550 HKA, Nö. K, 1616 Aug 12. 551 Briefe und Ac ten: Bd. 11, S. 764. 51

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