Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Christian Sapper und ihn dann ohne langen Aufenthalt wieder herauszubringen. Am 9. November verläßt Krauseneck mit seinem Schützling Prag — es ist eine auffällige Karawane, obwohl er behauptet sehr sparsam zu reisen: 3 Wägen und 4 Reitroß, ein Wagen für Don Matthias, einen für sich, einen für sein Weib - sie wollte unbedingt mit, weil sie eine Wallfahrt nach Loreto gelobt hatte - und zwei Roß mit Sänften für die Weg in Tirol. Er hat seinen Sohn mit, sodaß Don Matthias für seinen zweiten Sohn gehalten wird.’04 Die erste große Station ist Augsburg, wo man vier Tage pausiert. Von dort aus bittet Matthias den Kaiser am 20. November brieflich, ob er nicht heimlich wenigstens ein Jahr in Perugia verbringen dürfte. Am 6. Dezember überreicht Strahlendorf dem Kaiser diese Bitte - vergeblich. Der Kaiser will, daß Krauseneck seinen Schützling wieder zurückbringen soll und zwar unerkannt. In Rom sei Matthias weder dem Papst, noch den Kardinälen vorzustellen. Von Augsburg geht es über Igling nach Innsbruck weiter. In Igling wird Station gemacht, weil dort der Sohn des Kammerdieners Philipp Lang den Familienbesitz verwaltet - wie wir aus einem Schreiben Krausenecks an Lang erfahren: Wir haben ein Nachtlager bei ihm [= Langs Sohn] zu Oberiglingen gemacht. Tut für Don Matthias und meinem lieben Weib ganz dienstlich bedanken der ansehnlichen Tractation. Ist wahrlich ein ansehnlicher schöner Lust, wolt mehrers nicht wünschen, als daß der Herr Vätern solches mit Ruhen genießen könnt.304 305 In Innsbruck legt man eine Pause von 17 Tage ein. Der lange Aufenthalt erklärt sich durch einen kaiserlichen Geheimauftrag an Krauseneck: er soll versuchen, den Erzherzog Maximilian dazu zu bringen, daß er zugunsten seines kaiserlichen Bruders auf Tirol verzichtet3“ - was aber nicht gelingt. Von Innsbruck geht es weiter nach Trient, wo man 14 Tage und nach Castiglione am Lago Trasimeno, wo man 3 Tage Aufenthalt hat. Von dort ging man aber nicht gleich nach dem nahegelegenen Perugia, sondern, Krausenecks Frau zuliebe, zuerst nach dem berühmten Wallfahrtsort Loreto an der Adriaküste. Krauseneck will bis zu einem definitiven kaiserlichen Auftrag in Loreto - 1 'A Tagreisen von Perugia entfernt - in aller Stille warten und Matthias gar nicht mehr auslassen, sondern ihn weiterhin versteckt halten. Er ist bisher ganz incognito gereist, um Incontri mit den wällischen Fürsten und Ceremoni für Don Matthias zu vermeiden.307 Am 5. Februar ereilt — besser gesagt erschleicht - ihn in Loreto endlich der kaiserliche Befehl vom 8. Jänner 1608: Des Don Matthiae Italienische Raise ist wegen erheblicher Bedenkhen diesmal einzustellen. Krauseneck soll Matthias wieder zurückführen und mit einer vertrauten Person nach Ingolstadt ad studia bestellen und ihm da nicht mehr als sechs Personen zuordnen. Er soll von Castiglione wieder 304 HHStA, FamA, Karton 84, fol. 33 fund 47-52. 305 HHStA, Lang-Akten. 4, fol. 35, 25 f. und 308 f. 3116 Briefe und Acten : Bd. 6, S. 430. 307 HHStA, FamA, Karton 84, fol. 33-37 und 47-52. 46