Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. nach Trient zurückkehren und dort eine ausführliche Resolution erwarten."" Noch in Loreto ereilt ihn eine weitere Hiobsbotschaft - wie wir seinem Brief an seinen Schwiegervater Barvitius entnehmen: P.S.: Gerade kommen meine Leute, die ich nach Florenz zum Geldholen mit den Anweisung von Welser und Albertinelli schickte, mit leeren Händen zurück. Der Bankier Welser hatte seinem Florentiner Partner geschrieben, daß - falls Krauseneck das Geld für Zehrung und Deputat von Don Matthias noch nicht beho­ben hätte - es nicht mehr ausbezahlt werden sollte, weil die Reise eingestellt und Krauseneck rückbefohlen worden sei. Krauseneck braucht aber nun dringend Geld, sonst kann er weder hinausreisen noch bleiben. Seine Abrechnungen seien übri­gens über jeden Zweifel erhaben: Was diese drei Jahr auf Herrn Don Matthias hergeben worden, kann alle Stund ordentlich Raittung geschehen. Seine Gattin Martha schreibt ihrem Vater, dem kaiserlichen geheimen Sekretär, daß sie endlich wissen möchte, ob Don Matthias wieder zurück sein wird oder nit, dann mich mein Herr sunst alsbald nach meiner Kindschaft nach Hause schickt. Der Vater soll auch anschaffen, daß Deputat und Zehrung bezahlt werde, denn die Not sei groß. Die Reisegesellschaft scheint tatsächlich nur noch wenig Geld zu haben, also geht Krauseneck von Loreto ins billigere Osimo (nahe bei Ancona), verkauft dort die Pferde und entläßt die Leute, bis auf sechs für Don Matthias und sechs für sich. Er will gleich nach Trient reisen und dort die weiteren Befehle abwarten. Don Matthias wird ihm in der Sänfte langsam nachgebracht werden, unter Aufsicht des Hofdieners Damian Castilio, des Herrn Dechanten, seines Magisters und anderer sehr guter Leute. Krauseneck hält es nämlich nicht für unmöglich, daß man von dem Plan mit Ingolstadt wieder abkommt, wenn man erfahrt, wie weit Don Matthi­as schon im Land ist. Verärgert schreibt er an Strahlendorf:'"9 Es wär nit ein Wundter, daß einer nit schier von Sinnen käm, bey so undterschidli- chen langsamben überschickhten Resolutionen. Es thue was einer wöll und wende sein äußersten Fleiß und Mühe an, hat sich einer dennoch höchlich zu besorgen, an wehe ei­ner recht thuet. Auf Grund der Finanznot hat sich Krauseneck sogar an den Papst gewandt, der jedoch behauptet, selbst nichts zu haben: Questo viene á Roma per voler denari, ma de quali gli daremo? Noi non habbiamo et l'imponere nuove gabelle et decime no lo vogliamo fare. [Der kommt nach Rom, weil er Geld will - aber von wo sollen wir es ihm geben? Wir haben es nicht und neue Steuern und Abgaben einführen wollen wir nicht.] Dies erfahren wir aus einem Schreiben von Kardinal Ottavio Paravicini an Bar­vitius. Der Kardinal fand es übrigens anstößig, daß der Sohn des Kaisers in Osimo ohne irgendeinen Begleiter von Stand verweilen mußte, während Krauseneck nach Rom zur Erlangung einer Geldhilfe reiste.'10 Erst am 5. März befiehlt der Kaiser 308 309 310 308 HHStA, FamA, Karton 84, fol. 31 f. 309 Ebenda, fol. 38-44 und 47-52. 310 Briefe und Acten : Bd. 6, S. 222 f. 47

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