Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
Rezensionen
Betätigungsfeld im militärischen Umfeld und stellte für Österreichs Kriege von 1859 bis 1914/18 Feldspitäler und Feldsanitätskolonnen. Nach dem Zusammenbruch der österreichisch-ungarischen Monarchie hatte der Deutsche Orden kein leichtes Leben. In den Nachfolgestaaten wurde er zu Anfang ganz einfach als habsburgischer Hausorden betrachtet, auf dessen Besitzstand daher keine Rücksicht genommen werden sollte. In Österreich ließ Adolf Hitler ihn 1938 nach dem Anschluß aufheben, woran auch Kardinal Innitzer, seit 1933 „Protektor“, seit 1935 „Ehrenritter“ des Deutschen Ordens, nichts ändern konnte. Und als 1939 Heinrich Himmler das Wiener Deutschordenshaus offiziell für die SS übernahm, da stellte er in seiner Rede die SS-Männer als blutbewußte, nach Osten blickende Ordensritter des 20. Jahrhunderts dar und meinte: „Von dem einen Teil des Ordens aus wurde Preußen gegründet. [...] Von dem anderen Teil da übernehmen wir nun das Haus.“ 1947 wurde in Österreich die Aufhebung annulliert und dem Orden sein Vermögen zurückgegeben. In den folgenden Jahrzehnten formte er sich zu seiner rezenten Gestalt. Heute ist der Deutsche Orden ein rein geistlicher Orden in der Katholischen Kirche, mit Ordensprovinzen in Österreich und fünf Nachbarstaaten, „sein Wirkfeld ist das Apostolat in der Welt“. (Ulrich Gasser).Die 800jährige Geschichte des Deutschen Ordens ist aber dennoch mehr als Kirchengeschichte, mehr als österreichische und preußische, mehr als deutsche Geschichte; sie ist darüber hinaus ein - in manchen Traditionen immer noch nachwirkender - Teil der europäischen Kulturgeschichte, und als solcher sollte sie auch gewürdigt werden. Emst Zehetbauer, Wien Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47/1999 - Rezensionen Mayerhofer, Fritz - Schuster, Walter (Hrsg.): Bilder des Nationalsozialismus in Linz. Linz: Archiv der Stadt Linz 1997. 198 S. Dieser hervorragende Band setzt sich zusammen aus sorgfältig ausgewählten, eindrucksvollen Bildern, gegen welche die durchwegs gediegenen Textpassagen der Herausgeber einen schweren Stand haben. Bilder, welche die propagandistische Wirkung inszenierten und auch eigendynamischen Geschehens erahnen lassen. So mancher, der heute darüber lacht und urteilt, wäre der zeit- und situationsbedingten Faszination dieser Szenerien erlegen. Nicht nur die Massenszene, auch die fast intime Situation ist es, welche fasziniert. Situationen, teilweise bestechend durch die fast schon penetrante Absenz jeglicher charismatischen Wirkung der in diesem Satz ungenannt bleibenden Hauptperson. Und das in der Sphäre einer Stadt (Linz), der im Rahmen der nationalsozialistischen Inszeniemng eine Hauptrolle zugedacht war. 331