Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

Rezensionen

Sammelband vorliegenden Beiträge umfaßt die Entstehung des Deutschen Ordens im Heiligen Land, seine Kreuzzüge gegen die Heiden und die Entwicklung des preußischen Ordensstaates, das Verhältnis des Ordens zu Polen und Frankreich, seine Zielsetzungen, Ämter und Verwaltungsstrukturen, daneben auch Bautätigkeit und kulturelles Schaffen sowie seinen schwierigen Neuanfang in Österreich nach der Aufhebung in den Rheinbundstaaten durch Napoleon 1809 bis zu seinem Leben in der Gegenwart. Ein eigenes Referat ist dem Mißbrauch der Ordenstradition im Nationalsozialismus gewidmet, ein gewisser Schwerpunkt des Bandes liegt auf der Ballei Elsaß-Burgund. Die „Ballei“ war die obere Verwaltungseinheit der Ordensbesitzungen, die je­weils mehrere „Komtureien“ einschloß. Innerhalb des Heiligen Römischen Reiches gab es insgesamt zwölf solcher Baileien, nämlich Österreich, Bozen, Elsaß- Burgund, Lothringen, Franken, Marburg, Thüringen, Sachsen, Westfalen, Koblenz, Utrecht und Biesen, die von „Landkomturen“ geleitet wurden und zusammen dem „Deutschmeister“ unterstanden. Preußen unterstand seit der Übersiedlung des Hochmeistersitzes 1309 von Venedig auf die Marienburg direkt dem „Hoch­meister“; nach dem Ende des preußischen Ordensstaates 1525 durch die Unterwer­fung des Hochmeisters Albrecht von Brandenburg-Ansbach unter die Lehenshoheit des polnischen Königs wurde der Deutschmeister zum „Administrator des Hochmeistertums“ bestellt, und so entstand schließlich „die nichtoffizielle, aber griffige Bezeichnung „Hoch- und Deutschmeister“ (Helmut Hartmann). 1606 re­formierte der Hoch- und Deutschmeister Erzherzog Maximilian von Österreich unter dem Zeichen der Türkengefahr die Ordensregeln. Abgesehen davon, daß das höchste Ordensamt dann als Bezeichnung des 1696 errichteten Infanterieregiments Nr. 4, dessen Inhaber stets der jeweilige Hoch- und Deutschmeister war, zu einem äußerlichen Signum der altösterreichischen Wehr­macht geworden ist, ist nicht zu vergessen, daß einige Ordensritter bedeutende Positionen in der kaiserlichen Armee erlangten, so etwa der österreichische Land­komtur Johann Joseph Philipp Reichsgraf von Harrach zu Rohrau, der es bis zum Feldmarschall und Präsidenten des Hofkriegsrates (1738-1761) brachte. Zwar waren die Ordensritter auch außerhalb solcher Karrieren grundsätzlich „zum Kampf gegen die türkischen und anderen Reichs- und Glaubensfeinde durch die Ordenssatzungen verpflichtet und sind auch tatsächlich im kriegerischen Einsatz gegen Frankreich und die Osmanen mitbeteiligt, aber das Engagement auf dem Kriegsschauplatz blieb auf jene Situationen beschränkt, in denen sich das ganze Reich zum Krieg entschließen mußte“ (Bernhard Demel). Das Ende des Alten Rei­ches bedeutete dann auch das Ende des Ordens in seiner bisherigen Form. Nach der Wiederherstellung seiner Strukturen im vormärzlichen österreichischen Kaiserstaat unter dem neuen Hoch- und Deutschmeister Erzherzog Maximilian Joseph von Österreich-Este fand der Deutsche Orden aber nach der Jahrhundertmitte erneut ein Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47/1999 - Rezensionen 330

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