Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

Rezensionen

erschweren. Die beiden Kanzlerpersönlichkeiten Klaus und Kreisky waren in vie­lerlei Hinsicht verschieden: Klaus war aufrichtig, integer und frei von Demagogie. Seine politische Wirkung aber blieb relativ gering. Kreisky hingegen realisierte Reformen von nachhaltiger politischer Wirkung. Er war hochbegabt, intellektuell und visionär, jedoch nicht immer frei von persönlicher Eitelkeit und Demagogie. Signifikant war der Abgang der beiden aus der Politik: Klaus vollzog den totalen Rückzug, ganz zum Unterschied von Kreisky, der sich für unentbehrlich hielt, bis zum letztmöglichen Zeitpunkt blieb und noch seinen Nachfolgern ungebetene Rat­schläge erteilte. Manfried Welans verfassungsrechtlich angelegter Beitrag („1978: Höhe- und Wendepunkt der SPÖ-Alleinregierung Kreisky“, S. 126-139) bildet einen interessanten Kontrast zu den persönlichen Einschätzungen Norbert Lesers. Welan beschreibt den „SPÖ-Staat“ der Siebzigerjahre in allen seinen Fa­cetten: die Kanzlerdemokratie persönlicher Prägung, die Bildungs-, Sozial- und Rechtsreformen, den parlamentarischen sozial-liberalen Konsens und die schwieri­ge Oppositionsrolle der ÖVP. Das Jahr 1978 war insofern ein Wendepunkt, als damals mit der Grünbewegung jene außerparlamentarische Kraft in Erscheinung trat, die durch die Abstimmung gegen die friedliche Nutzung der Atomenergie in Österreich (1979) einen Wertewandel einleitete und schließlich auch die österrei­chische Parteienlandschaft veränderte. Der mit einem Personenregister ausgestattete Band (S. 140-144) ist eine hochin­teressante Lektüre, die sich auch bestens als Unterlage für den Mittelschulunter­richt eignet. Über den Verlauf der 35. Hostorikertagung vgl. überdies den Bericht im Publikationsorgan des Instituts für Österreichkunde „Österreich in Geschichte und Literatur“ (32. Jg., Heft 5, S. 269-279). Christoph Tepperberg, Wien Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47/1999 - Rezensionen Krieger, Karl-Friedrich: Die Habsburger im Mittelalter. Von Rudolf I. bis Friedrich III. Stuttgart-Berlin-Köln: Kohlhammer 1994 (Urban-Taschen­bücher 452). 267 S. . Es ist für den Leser immer sehr erfreulich, wenn sich in einem Geschichtsbuch, das die Ergebnisse der Spezialforschung zu einem größeren Bild zusammenfaßt, der Kenntnisreichtum des Autors und eine übersichtliche Darstellungsweise ge­glückt vereinigen: Karl-Friedrich Kriegers Habsburgermonographie - von König Rudolf I. bis Kaiser Friedrich III. - ist ein solches Werk. Das Taschenbuch ist ohne Anmerkungen geschrieben, was neben dem grundsätzlichen Charakter des Werkes vielleicht auch auf Platzgründe zurückzu führen ist, dem Gewinn des Lesers tut das aber keinen nennenswerten Abbruch. Es gibt dafür ein weiterführendes Literatur­verzeichnis, das sowohl allgemeine Darstellungen, Quelleneditionen und Hilfsmit­tel zur gesamten behandelten Epoche als auch Spezialliteratur zu den einzelnen 328

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