Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

Rezensionen

(Wien: Österreichischer Bundesverlag 1987, 2. Aufl. 1988) und behandelt die März-Ereignisse des Jahres 1938. Emmerich Talós (Das Jahr 1938 ,Anschluß“ - Umgestaltung - Erwartungen und realisierte Politik, S. 88-102) erläutert die politischen und sozialen Ursachen des „Anschlusses“, die Liquidierung der österreichischen Zentralorgane, die Eta­blierung und Festigung der NS-Herrschaft, die Umgestaltung aller Gesellschaftsbe­reiche sowie das Spannungsfeld zwischen Erwartungen, Versprechungen und poli­tisch-sozialer Realität. Dieter Stiefel (War 1947 ein verfrühtes Achterjahr? Vom Chaos zu Ordnung und Wiederaufbau, S. 103-108) beschäftigt sich-nach kriti­schen Äußerungen über die Bedeutung der „Achter-Jahre“ - mit der schrittweisen Wiedererlangung der österreichischen Souveränität, vor allem aber mit der Neu­ordnung der österreichischen Wirtschaft durch die Währungsumstellung, die Lohn- Preisabkommen, die Verstaatlichung der E-Wirtschaft und den Wiederaufbau mit Hilfe des Marschallplanes. Hildegard Hemetsberger-Koller (1958: Öster­reich auf dem Weg zur europäischen Integration, S. 109-119) beschreibt die eigen­ständige politische und wirtschaftliche Entwicklung Österreichs nach dem Ende der Besatzungszeit vor dem Hintergrund der Gründungen von EWG und EFTA, die Eingliederung in die westliche Staatengemeinschaft, den Übergang von der fremd- bestimmten Nachkriegswirtschaft zur freien Ökonomie, den Raab-Kamitz-Kurs als Synonym für das österreichische Wirtschaftswunder, die „Zwangsehe“ der Großen Koalition und die sich verfestigende Sozialpartnerschaft. Norbert Leser („Bilanz der Ära Klaus (1966-1970)“, S. 120-125) beschreibt als kompetenter Zeitzeuge und Historiker, als „konservativer Sozialdemokrat“ die Entwicklungen und Ereig­nisse rund um das Jahr 1968: das neue System der Alleinregierungen mit den Zen­tralfiguren Josef Klaus und Bruno Kreisky. Er sieht in der Alleinregierung Klaus nur den Prototyp des neuen Systems, der letztlich eine Episode blieb und die mehr als zehnjährige Alleinregierung Kreisky vorbereitete. Dr. Klaus war mit dem neuen System noch nicht vertraut und nahm daher - anders als Kreisky nach ihm - zu viele Rücksichten auf den einstigen Koalitionspartner SPÖ, auf die Bünde der ÖVP und auf die Sozialpartner. Zunächst setzte die Klaus-ÖVP durchaus Akte des Fort­schrittes (endgültige Abschaffung der Todesstrafe, Rundfunkgesetz, Herabsetzung des aktiven Wahlalters auf 19 Jahre), machte sich aber 1968 und 1969 durch ver­schiedene Steuer- und Abgabenerhöhungen unbeliebt. Die SPÖ zeigte zunächst unter Bruno Pittermann deutliche Anzeichen der Erstarrung. Das änderte sich 1967 durch die Wahl Kreiskys zum Parteivorsitzenden. Ihm gelang es, seine Partei zu einer offenen, auch für bürgerliche Elemente wählbaren Partei zu machen. Die SPÖ wandelte sich von einer reinen Arbeiterpartei zur „Volkspartei“ und begann der ÖVP den Rang abzulaufen. Sie suchte den Dialog mit der katholischen Kirche bei gleichzeitiger offener Distanz zu den Kommunisten und erlangte eine Wirtschafts­kompetenz, die zuvor der ÖVP Vorbehalten war. Mit Kreisky begann aber auch jene Bürokratisierung, legistische Überregulierung und Überforderung des Bun­deshaushalts, die bis heute das Geschäftsleben und die Verwaltung Österreichs Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47/1999 - Rezensionen 327

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