Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

Rezensionen

Jahre später (1918) ging sie im Ersten Weltkrieg zugrunde. 1928 vollzog sich die massive Aufrüstung jener paramilitärischen Kräfte, die schließlich zum Ende der Demokratie und zum Bürgerkrieg von 1934 führten. Ein Jahrzehnt später (1938) verschwand der österreichische Staat gänzlich von der Landkarte und wurde ein Teil des Großdeutschen Reiches. Zehn Jahre darauf (1948) war er aus den Trüm­mern des Zweiten Weltkrieges wieder erstanden, die ärgste Not überwunden. Das Jahr 1958 war das der beginnenden europäischen Integration und der endgültigen Eingliederung Österreichs in die westliche Staatengemeinschaft. Das Jahr 1968 war namengebend für eine ganze Generation, während 1978 durch die Grünbewegung jener Wertewandel eingeleitet wurde, der dem bloßen wirtschaftlichen Fortschritt den Wert einer intakten Umwelt entgegensetzte. Das Jahr 1988 brachte - ein Jahr vor der großen geopolitischen Wende in Osteuropa - eine Rückbesinnung und teilweise Neubeurteilung unserer Vergangenheit. 1998 schließlich hatte Öster­reich - fast zeitgleich mit der Neuordnung des europäischen Währungssystems - die EU-Präsidentschaft inne. Der vorliegende, wegen der Uneinbringlichkeit eines der Vortragsmanuskripte verspätet erschienene Band enthält neben einem Vorwort des verstorbenen Insti­tutsvorsitzenden Karl Gutkas (S. 4) die einzelnen Referate der Tagung: Richard G. Plaschka: 1908-Jahr zwischen Tradition und Aufbegehren. Wien, Prag, Sarajevo - Huldigung, Standrecht, Untergrund (S. 5-27): Der Altmeister der öster­reichischen Nationalismusforschung zeigt anhand mehrerer Episoden (Festzug zum 60. Regierungsjubiläum Kaiser Franz Josephs in Wien, Demonstrationen, Einsatz des Militärs und Proklamierung des Standrechts in Prag, Zusammenstöße an der Wiener Universität, Unruhen in Pola, Triest und Laibach, etc.) die Polarisierung des politischen Lebens und das Auseinanderdriften der Nationen in der Donau­monarchie. Er erklärt den Nationalismus als jene starke Triebfeder der Desintegra­tion, der gegenüber sich der Militarismus als Stabilisator eines multinationalen Systems als untauglich erwies. Der Beitrag von Wolfdieter Bihl: Der Zusammenbruch der österreichisch­ungarischen Monarchie 1917/18 (S. 28-53) beschränkt sich im wesentlichen auf die Chronologie der politischen und militärischen Ereignisse der letzten beiden Kriegsjahre und bringt wertvolle statistische Daten; Hanns Haas („Die unvollen­dete Republik“ Österreich 1918-1920, S. 54-68) behandelt den gescheiterten Ver­such in Österreich während der ersten Jahre der Republik die Demokratie zu be­heimaten; Siegfried Matti (1928-ein historischer Reisebericht, S. 69-80) schil­dert anhand mehrerer plastischer Bilder das Erstarken autoritärer und militanter Strukturen in der jungen Republik; der Beitrag von Erwin A. Sc hm id 1 (Das Jahr 1938: Vom Ständestaat zum Anschluß Österreichs an das Dritte Reich, S. 81-87) wurde als Ersatz für das erwähnte fehlende Manuskript eingefügt. Er ist eine ge­lungene Zusammenfassung des Buches „Der Deutsche Einmarsch in Österreich“ Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47/1999 - Rezensionen 326

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