Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

Rezensionen

unter anderem über die burgundische Heeresorganisation (zu Land) und Fragen der Reichsverfassung, unter Livorno 1496 ausführlich über das italienische und franzö­sische Kriegswesen gehandelt; (daß Maximilian als erstes Reichsoberhaupt seit den Staufern an die Restaurierung der Reichsrechte in Italien „dachte“ - so S. 149 - entspricht nicht den Theorien und praktischen Ansätzen im Spätmittelalter) der Feldzug gegen Mailand 1516 bietet Anlaß zu einem Resümee, welches über das aus der Literatur Bekannte nicht hinausreicht. Sinnvoller wäre es wohl gewesen, die einzelnen Kommentare zu einem auf den „Schlachtenbildem“ beruhenden Gesamt­ergebnis zu vereinen und damit den Wissensstand und dessen Lücken generell zu präzisieren. Eine derartige Zusammenfassung eigener Beobachtungen mit Aussa­gen von Handbüchern und Monographien zu taktischen, strategischen und kriegstechnischen Fragen (Formationen, Artillerie, Fortifikationswesen, etc.) wäre sicher besser zur Geltung, d. h. zur Kenntnisnahme durch Forscher und Studieren­de, deren Interessengebiet nicht unmittelbar das Kriegswesen einschließt, gelangt. Daß sich der Autor ausnahmslos auf gedruckte Quellen und Literatur beruft und nicht - auch nicht ansatzweise - die Flut ungedruckten Materials beachtet, ist einer Diplomarbeit wohl nicht anzulasten. Wenn man nach Abschluß der reichhaltigen Maximilian I. Biographie Hermann Wiesfleckers vielleicht gemeint hatte, dieses Standardwerk erübrige iür Jahre und Jahrzehnte Spezialforschungen für den betreffenden Zeitraum, schuf spätestens die ausgezeichnete Dissertation von Christina Lutter (Politische Kommunikation an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit. Die diplomatischen Beziehungen zwischen der Republik Venedig und Maximilian I. 1495-1508. Wien-München 1997, Veröffent­lichungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung 34) einen überzeu­genden Gegenbeweis im Bereich der Diplomatiegeschichte. Die vorliegenden „Schlachtenbilder“ kratzen zwar vergleichsweise nur an der Oberfläche eines an­dersartigen, thematisch jedoch nahe verwandten Sachbereiches, doch könnten die flüssig und unkompliziert konzipierten Ausführungen des Autors den Einstieg in das weite Feld maximilianeischen Kriegswesens erleichtern. Ein derartiges Unter­fangen wäre allerdings sowohl hinsichtlich der Quellenbasis als auch der Thematik (etwa: militärische Vorkehrungen und Operationen zwischen den „Schlachten“, viel stärkere Beachtung der ökonomischen, sozialen und logistischen Rahmenbe­dingungen) nur bei beträchtlicher Ausweitung und Intensivierung der Nachfor­schungen erfolgversprechend. Gerhard Rill, Klosterneuburg Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47/1999 - Rezensionen 320

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