Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

Rezensionen

Wenn es die Aufgabe von Ausstellungskatalogen ist, nicht nur die Exponate zu erläutern, sondern auch dem Besucher ein Bild des Hintergrundes, des Umfelds, möglichst vieler historischer Komponenten und der Motivation der Aussteller zu vermitteln, dann haben die beiden Kataloge diese Aufgabe bestens erfüllt. Ein weiteres Ziel wäre zu erwägen: sollte es gelingen, die beiden Textteile zu vereinen, könnte, trotz des großen historischen Zeitabstands, dem Waldviertel ein publizisti­scher Dienst erwiesen werden. Als Titel eines solchen Versuchs käme zum Bei­spiel: „Die Arbeit der Laien - Spurensicherungen zur Vergangenheit unserer Hei­mat“ in Betracht, geschrieben in einem Stil wie die meisten Beiträge der Kataloge zu den beiden Ausstellungen im Höbarth-Museum zu Horn. Fritz Prasch, Wien Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47/1999 - Rezensionen Sturmayr, Gerald: Industrielle Interessenpolitik in der Donaumonarchie. Wien: Verlag für Geschichte und Politik 1996 (Sozial- und wirtschaftshi­storische Studien 22). 231 S. Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit den Ergebnissen des Forschungsprojekts „Zur Geschichte der österreichischen Unternehmer im 19. und frühen 20. Jahrhun­dert“ und umfaßt die Jahre von 1848 bis 1914. Sie schließt damit an das Standard­werk Johann Slokars „Geschichte der österreichischen Industrie und ihrer Förde­rung unter Kaiser Franz I.“ an, legt aber, im Gegensatz zu Slokar, das Schwerge­wicht auf Geschichte, Struktur und politische Wirkung der Arbeitgeberverbände. Diese Verbände hatten ihre Vorläufer in den ab etwa 1830 gegründeten Gewerbe­vereinen, die jedoch jeweils regionalen Ursprungs waren. Die ab 1867 eingeführte „Vereinsfreiheit“ hatte zunächst die Gründung kaufmännischer und auf technische Belange orientierte industrielle Vereinigungen mit eher „separatistischen“ Zielset­zungen zur Folge. Erst die „Große Depression“ als Konsequenz des Börsenkrachs von 1873 veranlaßte die Industriellen, sich zu eigenen Interessenvertretungen zu­sammenzuschließen. Der austromarxistische Arzt Rudolf Hilferding schuf den Begriff des „organisierten Kapitalismus“, dem in der Studie Sturmayrs große Be­deutung zukommt. Der Autor bedauert, daß sich die heimische Geschichtswissenschaft mit diesem Terminus noch zu wenig befaßt hat. Der Übergang zu diesem Stadium wäre für Cisleithanien im späten 19. Jahrhundert anzusetzen und sei sowohl an Kartellie­rungsbestrebungen der Schwerindustrie (1. „Fall“: Erzeuger von Eisenbahnschie­nen nach 1873), als auch durch neue Techniken in Chemie, Elektrotechnik und Maschinenbau zu erkennen. Gegen einen solchen Übergang spräche eine, die Akti­engesellschaften benachteiligende Steuerpolitik des Staates, sowie die eher „magere“ staatliche Subventionsbereitschaft zugunsten der Arbeitgeber. 315

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