Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

Rezensionen

Der Katalog „Die Apotheke“, dessen neun Autoren pharmazeutische und histori­sche Fachleute sind, ist in zwei Hauptteile gegliedert. Der erste bietet nach den obligaten Geleitworten fünf Beiträge zum Rückblick auf die Stadt selbst, auf die allgemeine Entwicklung des Apothekenwesens und speziell auf die Entwicklung der Landschaftsapotheke Horn. Ob die teilweise Beschränkung auf die Fakten der Frühen Neuzeit, also auf das 16. und 17. Jahrhundert, besonders zweckdienlich war, sei dahingestellt. Ein gedrängtes Befassen mit der Stadtgeschichte, der Bezie­hung „Apotheker - Arzt“ und dem niederösterreichischen Gesundheitswesen bis in die Gegenwart hätte den Katalog gewiß nicht überfrachtet. Ein besonders interessanter Beitrag ist der „eher schwierigen Beziehung“ zwi­schen Apotheker und Arzt gewidmet. Die Autorin, Historikerin und Ärztin, ver­gleicht gründlich die Entwicklung der Gegensätze zwischen beiden Berufen, die in der übergeordneten, den Apotheker kontrollierenden Stellung des Arztes ihre Wur­zeln hatten. Ein kleiner, bis heute verbliebener Rest der ärztlichen Isolation mag in der Tatsache zu sehen sein, daß die Pharmakologie zwar Pflichtfach des Medizin­studiums ist, das Studium der Pharmazie an der naturwissenschaftlichen, nicht aber an der medizinischen Fakultät zu absolvieren ist. Die folgenden Beiträge befassen sich weniger mit allgemeinen, als mit ortsbezo­genen Themen zum niederösterreichischen Apothekenwesen und seiner Entwick­lungsgeschichte bis zum „Apothekenwesen heute“. Einen Exkurs mit überraschen­dem Inhalt bietet die Beschreibung des 1980 zufällig in der Kapelle des Schlosses Oberstockstall (bei Kirchberg am Wagram/NÖ) entdeckten Alchimistenlaboratori­ums, dessen Ursprung etwa in der Mitte des 16. Jahrhunderts anzusetzen ist. Die mit großer Akribie und Sachkenntnis geschriebenen Beiträge machen den Textteil des Katalogs besonders lesenswert. Im anschließenden „Katalogteil“ er­läutert der Verfasser, ein Apotheker aus Horn, die Exponate, die von den Grün­dungsurkunden aus dem 16. Jahrhundert bis zu den aus derselben Epoche stam­menden Geräten reichen und durch Fotos ergänzt sind. Der Katalog der Ausstellungen 1998 und 1999 mit dem Titel „Idole“ folgt in ei­nem anderen System. Nach einer kurzen Vorstellung des Ausstellungsinhalts wird, anders als bei der Homer Apotheke, aus der Forschungsgeschichte des Waldviertels, die von etwa zwei Dutzend Bearbeitern getragen wurde, berichtet. Elf von ihnen sind mit Foto vorgestellt. Bemerkenswert ist der hohe Anteil an wissenschaftlichen Laien, ohne deren Arbeit, wie zum Beispiel das Höbarlh-Museum beweist, diese Forschungser­gebnisse gar nicht zustande gekommen wären. In den anschließenden Abschnitten werden jeweils nach einer erschöpfenden Erklärung die einzelnen jung- bis mittel­steinzeitlichen Funde aus der Region vorgestellt. Hier folgt die bildliche Darstel­lung, im Gegensatz zur „Apotheke“, erst als vorletztes Kapitel. Ein „kurzer histori­scher Überblick über die Stadtgemeinde Hora“, verfaßt vom Direktor des Höbarth- und Madermuseums, bildet den Schluß. Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47/1999 - Rezensionen 314

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