Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Christian Sapper den Geisteszustand des Kaisers berichten. Dieser schreibt 1601, daß der Kaiser noch immer schwermütig, aber nicht geistesgestört ist. Er hat selbst mit dem Kaiser gesprochen und „Ihre Majestät discurrieret von hohen Sachen sine nulla mentis perturbationis, sondern hochverständlich“.10 11 Allmählich bessert sich sein Zustand wieder und 1602 fühlt sich Rudolf am Zenith seiner Macht und läßt sich die Hauskrone anfertigen - sie wurde wegen ihres Gewichts allerdings nie für Krönungen verwendet. Nach 1607 kann sein Zustand als stabil bezeichnet werden. Von der Melancholie Rudolfs wird oft gesprochen - nicht ganz so bekannt ist, daß sich Rudolf auch in ganz ungewöhnlichem Ausmaße für das weibliche Geschlecht interessierte. Nach Aristoteles sind die Melancholiker „wollüstig“ und so folgten bei Rudolf II. auf depressive Phasen Perioden wüster Ausschweifungen. Eine höfische-höfliehe Geschichtsschreibung des 18. Jahrhunderts formulierte dies folgendermaßen: Er führte selbst den Pinsel mit vieler Kunst, aber zu seinem Nachteile. Denn dann verfiel er auf die Portraitmalerei, schilderte Ideale von Schönheiten, ließ dazu die ähnlichsten Frauenzimmer aufsuchen und vergnügte die zu sehr gereizten Leidenschaften mit unausgesetzter Abwechslung der Personen, daher es geschähe, daß er eine Abneigung gegen den Ehestand bekam." Ottavio da Strada berichtet bis zum Jahr 1603 von vier Konkubinen, wobei er jedoch nur diejenigen anführt, die dem Kaiser legitimierte Kinder geschenkt haben.12 * Uber die zahlreichen Geliebten des Kaisers und die vielen Frauen am Kaiserhof ist nahezu nichts überliefert. Nicht etwa deshalb, weil sie nach Aussage des venezianischen Botschafters von „niedrigem Stand und öffentlichem Gewerbe“ waren: 1 figlii [des Kaisers] sono nati di diverse donne di bassa taglia et di publica professione, che di diversi parti del mondo erano condotte a Cesare et molte ne sono capitate di Venetia." (Die Kinder des Kaisers stammen von verschiedenen Frauen von niederem Stand und öffentlichen Gewerbe, die dem Kaiser aus der ganzen Welt - und davon nicht wenige aus Venedig - zugeführt werden) Das mit dem niedrigen Stand stimmt wohl nur teilweise. Von Donna Carolina, einer unehelichen Tochter des Kaiser, heißt es gerüchteweise, daß Eufemia von Rosental ihre Mutter gewesen sei. Bei Don Julius, dem ältesten unehelichen Sohn 10 S c h Warzen fei d, Gertrude von: Rudolf II. Der satumische Kaiser. München 1961, S. 153. 11 Gebhard : Genealogische Geschichte. Bd. 2, S. 463. 12 Universitätsbibliothek Prag, Manuskript XII-D-20, p. 85. Die Handschrift trägt den Titel: „Chronica Thesauri Antiquitatum, hoc est, Pontificum et Imperatorum Romanorum [...] ac non Regnorum Christianorum Initia, Incrementa et Translationes. Ex Musaeo Octavij de Strada, Civis Romani, S. C. M. Rodulphi Nobili Aulico Antuquario etc.“ Das Manuskript ist zweifellos von Strada selbst geschrieben. Der holländische Historiker Dirk Jacob Jansen hat die wenig bekannte Handschrift aufgestöbert und mir liebenswürdiger Weise das obgenannte Zitat mitgeteilt. " Turba, Gustav: Beiträge zur Geschichte der Habsburger. Aus den letzten Lebensjahren des spanischen Königs Philipp II. In: Archiv für österreichische Geschichte 86 (Wien 1899), S. 337. 4