Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. des Kaisers heißt es allgemein, daß seine Mutter eine Baronessa gewesen sei.14 Auch von Maria von Pemstein, eine Tochter des Johann von Pemstein, der 1597 gegen die Türken fiel, war die Rede. Auch eine Verbindung mit der Witikonin Lucia von Neuhaus ist recht wahrscheinlich. Über die meisten Frauen am Hofe ist wohl nur deshalb so wenig bekannt, weil sie sich der Gunst des Kaisers - wie der päpstliche Nuntius schreibt - immer nur kurz erfreuen durften. Kaum einen Monat lang pflegte er eine Frau bei sich zu behalten - che non sia solito di tener l’altre [donne] a pena un mese.15 16 Eine Ausnahme bildet die langjährige Geliebte Anna Maria da Strada, die ihm die Söhne Don Matthias und Don Carolus schenkt. Sie läßt sich auch in den Wiener Archiven mehrfach nachweisen und ihr wird in dieser Darstellung ein eigenes Kapitel gewidmet. Seit etwa 1692 hat die damals Dreizehn- oder Vierzehnjährige den Kaiser für viele Jahre - bis 1603 - an sich zu fesseln gewußt. Im Jahr 1603 hat der Kaiser dann wohl endlich genug von ihr, denn er verheiratet sie an seinen langjährigen Kammerdiener Christoph Ranft. Der Umstand, daß sich Rudolf von seiner langjährigen Geliebten trennt, bringt die Prager Gesellschaft zur Vermutung, daß sich der Kaiser wohl endlich zu einer standesgemäßen Ehe entschlossen habe."’ Dem war aber nicht so, denn im Jahr darauf berichtet der päpstliche Gesandte, daß zwei weitere Frauenzimmer zu den anderen schlechten Weibern im Palast eingezogen sind.17 Die Moral am Hofe läßt sich jedenfalls nicht nach heutigen Standards messen. Ende 1604 berichtet der bayrische Gesandte Bodenius an Herzog Maximilian von Bayern: Herr Schanowitz [Kammerdiener] muß nun im Schloß wohnen, nit weit von Ir Mt. und vielleicht die Frau Kurzin mit ihm, welche etliche junge schöne Töchter hat. E. Dt. werden dies gnädigst wohl verstehen.18 Die Ausschweifungen am Kaiserhof nehmen mit Rudolfs zunehmendem Alter nicht ab; im Gegenteil, sie sind 1609 derart beschaffen, daß sich Peter von Vischer, der Vertreter von Erzherzog Albrecht am Kaiserhof, nicht getraut, darüber schriftlich zu berichten: Barvitius hat mir seltsame Sachen von Ihr Mjt. gesagt, quae certe horrenda sunt und ich liber auch sicherer E. F. G. gehorsamist mündlich als schriftlich referire; sonst thu14 Alidosi, Roderico (Ambasciatore del Granduca di Toscana Ferdinando I.), Relazione di Germania c della cortc di Rodolfo II. Imperatore negli anni 1605-1607. Hgg von C. und G. Campari, Modena 1872, S. 6. 15 Turba : Habsburger, S. 337. 16 Briefe und Acten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges in den Zeiten des vorwaltenden Einflusses der Wittelsbacher. Hrsg, von der historischen Commission der kgl. Academie der Wissenschaften. München 1883-1909. Bd. 5, S. 730, Anm. 3. 17 Turba : Habsburger, S. 337. 18 Briefe und Acten. Bd. 5, S. 731, Anm. 4. 5