Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. Karl fallen in diesem Schreiben keinerlei Lobesworte, was recht ungewöhnlich aber sicherlich beabsichtigt ist. Die Heirat kommt ebensowenig zu Stande, wie die von Don Matthias. Im Oktober 1623, nach 15 Monaten Abwesenheit, finden wir Karl wieder in Wien. Er wohnt beim Wiener Gastgeb Wolf Millner und häuft dort bis Jahresende Schulden in Höhe von 2940 Gulden an. Am 30. Dezember 1623 befiehlt die Hof­kammer dem Kriegszahlmeister, daß er diese Schuld in langem Geld bezahlen soll.562 Karls Einnahmen - 2 000 Taler aus der Geistlichen Kontribution und 300 Gulden Monatssold - fließen spärlich, bzw. sind auf Jahre hinaus verpfändet. Im Oktober streckt ihm der Einnehmer der Geistlichen Kontribution für den Le­bensunterhalt nochmals 1 080 Gulden vor, aber offenbar zu harten Bedingungen, denn Karl bittet, daß er sein Deputat von 2 000 Talern in schwerer Münze haben könne und nicht in langem Gelde.563 Kaum nach Wien zurückgekehrt, soll er wieder verreisen. Er hat anscheinend vom Kaiser den Befehl erhalten, sich zu ihm auf den Fürstentag nach Regensburg zu verfügen. Zur Ausstafierung auf diese sehr weite Rais hat er 300 Taler erhalten und außerdem wurden ihm von der Hofkammer noch 1 600 Gulden versprochen. Diese hat ihn, solange der Kaiser noch da war, von einem auf den andern Tag vertröstet und nach der Abreise des Kaisers ganz hängen lassen und nicht einmal so viel herausgegeben, daß er die Post zum Kaiser hätte nehmen können. So konnte er dem kaiserlichen Befehl nicht nachkommen, sondern mußte nicht nur die empfangenen 500 Taler hier in Wien verzehren, son­dern auch noch seine 3 Pferde, die um 500 Gulden versetzt waren und zwei weite­re, neu gekaufte, wieder versetzen. Jetzt ist er nicht ausstaffiert und kann wieder nicht abreisen. Er will wenigstens einen fünfmonatigen Vorschuß von seinen 300 Gulden monatlich, aber weder Hofkammer noch Hofkriegszahlamt geben ihm etwas.564 Ferdinand II. befiehlt daraufhin dem Hofkriegszahlmeister Sutter, daß Karl 7 000 Gulden erhalten soll565; allerdings muß er daraus auch die 4 000 Gulden für seine Ausstaffierung ins Veldt zu raitten bezahlen. Karl wird dem Kaiser wie ein Faß ohne Boden vorgekommen sein, denn kurz vor Weihnachten meldet er sich wieder und bittet um einige tausend Taler, damit er sich und seine Diener für den Winter mit Kleidern und Kost versehen kann; außerdem will er einige Klepper kaufen, damit er dem Kaiser besser dienen könne. Das Geld sollte aber nicht in langer Münze ausgefolgt werden.566 Danach hat er es anscheinend doch geschafft, an den kaiserlichen Hof zu reisen. Im Jahr 1624 stellt Kaiser Ferdinand II. das Deputat der beiden Markgrafen 562 HKA; Protbuch W. Nr. 706, fol. 525r 563 HKA, Nö. K, 1624 Jän 5, fol. 8 f. 564 HKA.Nö.K, 1624 Jän 5, fol. 12-15. 565 HKA, HF, r. Nr. 192, 1623 Okt 10. Dasselbe auch im KriegsZA-Buch 1623, fol. 424. 566 HKA, Nö. K, 1624 Jän 5, fol. 5 und 12 f. 97

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