Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Christian Sapper Matthias und Karl nun auf eine neue Basis. Karl soll, so wie sein Bruder jährlich 15 000 Gulden bekommen. Die Rebellengüter in Böhmen und Mähren sind schon vergeben567, um nicht zu sagen verschleudert worden, so sollen sie ihr Deputat aus den Gefallen verschiedener Ämter erhalten. Für Karl sind 6 000 Gulden aus Ungarisch Altenburg und den Wassermauten Stein und Ybbs vorgesehen; aus den oberösterreichischen Ämtern Linz, Engelhartszell und Vöcklabruck sollen die restlichen 9 000 Gulden kommen.56* Letztere werden ihm später nach der Verpfandung von Oberösterreich an Bayern durch das Hofzahlamt ausbezahlt569, denn der Kurfürst von Bayern will ihm sein Deputat nicht zahlen. Im Juli des gleichen Jahres stellt Kaiser Ferdinand II. dem Don Matthias eine feierliche Obligation über 300 000 Gulden aus und verspricht ihm außerdem, daß, falls sein Bruder Karl vor ihm stürbe, er auch dessen Deputat von 15 000 Gulden erben sollte - aber nicht umgekehrt.570 Das zeigt deutlich, daß Karl bei Ferdinand II. nicht sehr angesehen war. Vom Kriegszahlmeister hat Karl bis Ende 1624 insgesamt an die 11 000 Gulden571 erhalten, von der Maut Stein 400572 * und vom Hofzahlamt 1 750 Gulden.575 Der Mautner von Ybbs ist mit seinen Zahlungen im Rückstand, was ihm übel bekommt: Karl reitet mit seinen Leuten nach Ybbs und kassiert mit dem Schwert. Der Mautner von Ybbs beschwert sich bei der Hofkammer, daß Don Karl das ihm zustehende Deputat von 1 000 Gulden mit Gewalt sollicitire. Daraufhin wird Don Karl von der Hofkanzlei angewiesen, Ambtleute und Diener seiner Mjt. anders zu tractiren und selbige bescheidentlicher zu behandeln,574 Von Gewalt zeugt auch ein Raufhandel, den der Stallmeister von Karl mit Peter Floriani hat. Dieser ist nicht nur kaiserlicher Ingegniero, sondern auch allhiesieger Stadtguardi-Hauptmann und Herr über die Wiener Händel-Knecht. Das heißt Karl und seine Leute haben sich mit der Wiener Polizei angelegt. Der Hofkriegsrat be- scheidet, daß sich die beiden vergleichen sollten, sonst würden - wie bei Rumor- händel üblich - beide Parteien in Haft genommen.575 In den nächsten Jahren hören wir noch öfteres von Karl und seinen Raufhändel. Zu Beginn des Jahres 1625 finden wir ihn noch in Wien, wo er sich für den Einsatz auf dem südlichen Kriegsschauplatz vorbereitet. Karl wirbt nun, wie sein Bru567 HKA, HF, r. Nr. 193, 1624 Jän 29, fol. 1-2 und 1624 Feb 24. 568 HKA.Nö. K, 1624 Feb 16. 569 HKA, Nö. K, 1625 Mrz 31 und RA, Fz. 100B, fol. 241. 570 HKA, HF, r. Nr. 215, 1628 Aug 17, fol. 5 f. 571 HKA, HF, r. Nr. 196, 1624 Nov 13, fol. 1-2. 572 HKA, NÖ. HA, S 103B, fol. 816V. 575 HKA, HZAB 1624, fol. 237. 574 AVA, Hofkanzlei, Archivprotokoll II, S. 44 f. 575 KA, HKR Wien, Prot 1624 E, fol. 356. 98