Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. flüchte endlich bezahlen. Wenn schon nicht in bar, dann wenigstens in Wein.548 Die Prälaten werden wenig entzückt gewesen sein, mit dem Geld ihrer Gläubigen den recht wilden Lebenswandel des kaiserlichen Bastards finanzieren zu müssen. Aus diesem Jahr gibt es einen recht aufschlußreichen Bericht über das Betragen von Karl und zwar im Zusammenhang mit der geplanten Heirat seines Bruders Matthias mit der Erbprinzessin von Butera. Die Erzherzogin Margareta, die seit 1581 im Madrider Kloster Discalze lebt, könnte sich für die reiche Braut auch den jüngeren Bruder Karl vorstellen und verlangt Information über ihn. Hartmann Drach, der Agent Khevenhüllers in Wien und großer Freund von Don Matthias schreibt nach Madrid Dem Hm von der Reck habe ich angezeigt, was I. Durchlaucht Erzherzogin Margret wegen Don Karl Lebens und Wandel für Bericht begehren wolle [...] Sonst gibt es täglich zu erkennen, daß Don Karl etwas zu früh von der Schul und guter Disziplin genommen und in die Freiheit gelassen worden. Ist eine Zeit lang mit dem Hm Grafen von Altheim in Polen und anderswo hemmgereist, hat viel ungeschlachte Hofpossen und ziemlich starck Trinken etlicher Maßen sich schon gewöhnt. Es bedünkt mich, es mangelt ihm nur ein tapferer, berufsfahiger Hofmeister, alsdann noch viel Gutes an ihm könnte verhofft werden, aber er wird so unachtsam von allen allhier gelassen, daß es ja sehr zu verwundern [...]549 Das allhier ist Wien, das bedeutet, daß Karl in Wien wohnt und zwar bei Wolf Rosner, dem Wirt zur Goldenen Sonne in Wien. Der ist offenbar ein sehr energischer Mann und stellt ihm eine ungewöhnlich hohe Rechnung und drängt ganz ungehörlich auf Bezahlung. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, hat er sogar die Kleider von Karl gepfändet. Der weiß sich nicht zu helfen und wendet sich an den Kaiser, der die Räte Peter Pluemb und Hans Grießkirchner zu Kommissaren ernennt, die mit dem Wirt verhandeln sollen, damit er seine Forderungen ermäßigt, Don Karl ordentlich behandelt und sich mit der Bezahlung geduldet.550 Hohe Schulden hat Karl auch beim Kaufmann Georg Mattlesperger, der sich einen Teil seines Geldes gleich vom Deputat Karls bei den Äbten von Melk und Göttweig holt, sodaß der Einnehmer der Geistlichen Kontribution nur noch bei Lilienfeld, Gaming und Seitenstetten Geld eintreiben kann. Besonders die beiden letzten sind säumig, sie verbleiben noch in ihrem Ungehorsamb und Halstarrigkeit.5i' Jedenfalls geht sein ganzes Deputat der Jahre 1620 und 1621 auf die Bezahlung von Rosner und Mattlesperger auf.552 * Zweimal kann Karl dann vom Kammerdiener Sebastian Cressel kleine Darlehen erhalten555, doch wirklich aus der Patsche helfen kann ihm nur der Kaiser. Der gesteht ihm zu seiner Ausstaffierung und zu seinem 548 HKA, HF, r. Nr. 181, 1620 Nov 13, fol. 1 f. 549 HHStA, StA Spanien, Dipl. Korr., Karton 16, Khevenhüllers Manuskripte Jg. 1620, S. 265, 287 f. 550 HKA, HF, r. Nr. 183, 1621 Jun 25, fol. 1 f. 551 HKA, HF, r. Nr. 182, 1621 Mrz 15, fol. 1-6. 552 HKA, Nö. K, 1624 Jan 5, fol. 12 f. 555 HHStA, Habsburgisch-Lothringische Familienurkunden Nr. 1575 und Nr. 1576. 95