Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Christian Sapper Nach dem Tod von Kaiser Rudolf sorgt Kaiser Matthias für die Neffen, doch nicht in dem Ausmaß, wie es ihnen erwünscht gewesen wäre. Sie leiden angeblich große Not, weil sie ihr Deputat nicht erhalten. Don Matthias berichtet dies am 17. September 1615 in bewegenden Worten dem Kardinal Khlesl und dieser wen­det sich an den Kaiser, weil ihm anbefohlen wurde, auf beide Markgrafen Acht zu haben. Er kann nit genug rühmen die Frömmigkeit, Gottseligkeit, hohe Vernunft und Verstand von Don Matthias [...] der Jüngere aber ein so Adeliche Natur Inclination und Disposition hat, daß er gleich wie zu hohen Sachen gebohren. Infolge der Interzession Khlesls befiehlt der Kaiser noch am selben Tag der Hof­kammer, daß sofort Gelder flüssig gemacht werden sollen.542 Zu Jahresende 1615 reisen beide Söhne auf kaiserlichen Befehl nach Prag zu der Coronation der Kaisergattin Anna. Am 1. Februar 1616 finden wir sie noch in Prag. Im Prager Schloß, in Kardinal Khlesls Behausung, nehmen sie Ranft als ihren Rat auf und versprechen ihm ein Jahresdeputat von 300 Talern. Danach geht es wieder zurück nach Graz. Im August 1616 wird Don Matthias das erste Mal ermahnt, für eine ordentliche Versorgung seines Bruders zu sorgen543 544 - anscheinend ein Gebot der Notwendig­keit. Im Jahr 1618 berichtet die Hofkammer dem Kaiser, daß Don Matthias das gemeinsame Deputat von 4 000 Talern allein empfange und davon seinem jüngeren Herrn Brüdern nichts geben, sondern Noth leiden lasse. Der Kaiser resolviert, daß ein jeder die Hälfte ausbezahlt bekommen und außerdem bekommt Don Karl am 8. September 1618 für seine Schulden in Wien und Graz 1 500 Gulden zugesagt, weil er seines Brüdern üble Wirtschaft nit entgelten khan'M. Auch im Jahr 1619 berichten die Akten vorwiegend über die Kosten für seinen Unterhalt. Das Schottenstift, die Klöster von Herzogenburg, Klosterneuburg und Tulln werden ermahnt, das Deputat von Don Karl pünktlich zu bezahlen545, denn er braucht das Geld für seine Reisen und zur Bezahlung seiner Schulden.546 Von den genannten Reisen ist nur eine nach Polen aktenkundig geworden - und dabei ist auch der Zweck derselben unbekannt geblieben. Ganz ähnlich ist der Aktenlauf im Jahre 1620. Säumig sind diesmal die Prälaten von Melk, Göttweig und Heiligenkreuz.547 Aufschlußreich ist die Mahnung von Ferdinand II. an den Prälaten von Heiligenkreuz: Er soll dem Don Karl die längst verwilligten 2 419 Gulden aus der geistlichen Kontribution ohne weitere Aus­542 HKA, Nö. HA, G 47D, fol. 415-424 und HF, r. Nr. 162, 1615 Okt 22, fol. 1 f. 543 HKA, HF, r. Nr. 167, 1616 Aug 16, fol. 1-2. 544 HKA, Nö. K, 12 ex Sep 1618. 545 HKA, HF, r. Nr. 178, 1619 April 29, Mai 15. 546 HKA, HF, r. Nr. 178, 1619 Mai 18, fol. 1. 547 HKA, HF, r. Nr. 181, 1620 Okt 7 und Okt 8. 94

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