Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. 5. Don Karl. 1603-1628 Don Karl von Österreich, von Gottes Gnaden des Heiligen Römischen Reichs Marg- graf, Röm. Khay. Mt. Cämmerer und Obrister, auch der Khön. Mt. in Hispania Rath und bestellter Obrister Diesen Titel führt der jüngste Sohn von Rudolf II. im Jahre 1626.5,2 Er wurde wahrscheinlich 1603533, auf alle Fälle aber vor dem 1. Mai 1604534 535 536 geboren und auf den Namen Carolus Faustus getauft. Die Schwangerschaft seiner Mutter Anna Maria trug vielleicht dazu bei, daß sich der Kaiser von ihr trennt und sie im Jahre 1603 mit Christoph Ranft verheiratet.5” Neun Jahre zuvor hatte sie seinem Bruder Matthias das Leben geschenkt. Über die ersten Jugendjahre von Karl gibt es keine Berichte. Er wird wohl in Prag in der Nähe seiner Mutter aufgewachsen sein, die mit ihrem Gatten am Prager Burgberg wohnte. Im Oktober 1606 fallen die Mutter und der Stiefvater von Don Carolus in Ungnade - der ältere Bruder Matthias bleibt in der Obhut von Krausen­eck. Vielleicht wächst der kleine Karl dort gemeinsam mit ihm und der viel älteren Halbschwester Carolina auf. 1606, am 2. Dezember, werden die unehelichen Söhne von Rudolf II. legitimiert, erhalten ein Wappen und den Titel eines Markgrafen. Auch bei Karl heißt es, Rudolf habe den Sohn von einer freien, ledigen und ehrba­ren Frau empfangen.™ 1608 finden wir Karl noch in Prag - er dürfte sich nach der Rehabilitierung von Ranft auch am Hof aufgehalten haben, denn Peter de Vischer, der belgische Agent von Erzherzog Albrecht berichtet am 5. April, daß Don Karl circa 5 Jahre alt ist.”7 Anscheinend ist er in der Obhut des geheimen Rats Hermann Freiherr von At- tems — dieser erhält jedenfalls für die Bekleidung von Karl 27 Gulden.”8 Eine zweite Kleiderrechnung ist deutlich höher: der kaiserliche Leibschneider Anton Kupfer erhält im Jahr 1609 119 Gulden und 17 Kreuzer5” - vermutlich wurde Karl für seine Übersiedlung nach Graz neu eingekleidet. 1609 jedenfalls finden wir ihn in Graz, er wird dort gemeinsam mit seinem Bruder Matthias im Grazer Jesuiten­kolleg erzogen.54" Der Ältere hat dann bald die Universität bezogen und beide leben in Graz in einem gemeinsamen Haushalt mit kleinem Hofstab.541 s32 HKA, HF, r. Nr. 201, 1626 Jän 21. 5,3 Briefe und Acten, Bd. 6, S. 263, Anm. 4. 534 HKA, HF, r. Nr. 215, 1628 Aug 17, fol. 9 f. 535 HHStA, RHR, Privilegia Varii Generis, Fz. 1, Konv 10, fol. 80-87. 536 HHStA, RHR, Restitutionales, Fz. 1, fol. 246-255. 537 Briefe und Acten, Bd. 6, S. 263, Anm. 4. 538 HKA, HZAB 59, fol. 325f 539 HKA, HZAB 60, fol. 305v. 54U HHStA, Belgische Hofkorrespondenz Karton 31, Stück 67. 541 Vgl. das Kapitel Don Matthias, Jugend und Erziehung. 93

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