Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)
SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.
Christian Sapper Die hohen Forderungen stellen aber die Geldgeber und Handelsleute wie de Briers, Ferrari, Lazarus Henckel, die Brüder Joanelli, Heinrich Kielmann, die Brüder Negroni, Alessandro Pestaluzzi, Caesar Rubin, Franz Stein, Peter Sutter und Justinian Hätzenberger - dessen Witwe fordert 1641 über 70 000 Gulden.528 Die Hofkammer ist überzeugt, daß es sich bei den verlangten Summen zum Teil um Geld in langer Münze, zum Teil in Waren, so man nach denen fürstlichen Personnen, wie wissentlich gemainlich in ainen hohen Werth anzuschlagen pflege, gehandelt hat und außerdem oft bis 8 % Zinsen verrechnet wurden.529 530 Die potenteren Handelsherrn lassen sich - im Besitz von Schuldscheinen - aber kaum herunterhandeln, dafür müssen sie lange auf ihr Geld warten. Beträchtlich sind die Forderungen der ehemaligen Offiziere des 1625 geworbenen Regiments und auch der Stiefvater von Don Matthias fordert für sich und seine Frau mehr als 13 000 Gulden.550 Auch er muß lange auf sein Geld warten. Besser geht es da den Franziskanern bei St. Hieronimo in Wien - 25 000 Gulden hat ihnen Matthias vermacht - sie und andere geistliche Gläubiger erhalten ihre Forderungen leichter und schneller erfüllt, weshalb viele Gläubiger ihre Forderungen gegen eine Ablöse an sie übertragen.531 Don Matthias war sicherlich der ansprechendste der drei Söhne Rudolfs II. Sein Schicksal verdient unser Interesse, nicht auf Grund besonders bemerkenswerter Taten, sondern auf Grund seiner Herkunft und seines Selbstverständnisses, das ihm als einen des Geblüts das Ringen um die Anerkennung seiner hochadeligen Zeitgenossen und einen ganz bestimmten Lebensstil aufzwingt. Don Matthias hat es, wiewohl mit Mühe, durch seine Kontakte mit den anderen Habsburgem geschafft, diesen Lebensstil, der ihn gewissermaßen als Sohn des Kaisers legitimierte, aufrecht zuerhalten. Das verschlang freilich Unsummen und scheint uns Heutigen dabei noch recht unbequem - es ist wohl für die meisten von uns eine Horror- Vorstellung, in einem spanischen Wirtshaus mehr oder weniger gefangen zu sein, weil man das, was zwölf Mann Gefolge täglich verprassen, nicht bezahlen kann und dabei Zusehen zu müssen, wie die Schuld täglich größer wird. Dazu kommt noch, daß man als Fürst diese zwölf Mann, die einen ständig hintergehen, fürs Nichtstun auch fürstlich belohnen muß. Ein einfaches bürgerliches Leben aber war für den Kaisersproß unmöglich, denn das hätte Bedeutungslosigkeit und Selbstaufgabe bedeutet. 528 HKA, Nö. K, 1648 Feb 25, fol. 141 f. 529 HKA, nö. HA, W 61A/9, fol. 878. 530 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 54-85. 531 HKA, Nö. HA, W61A/9, fol. 876.