Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 47. (1999)

SAPPER, Christian: Kinder des Geblüts – die Bastarde Kaiser Rudolfs II.

Kinder des Geblüts - die Bastarde Kaiser Rudolfs II. hatte besonders hohe Forderungen an das Erbe und sollte auch die hinterlassenen Offiziere und Diener besolden und abfertigen und den ausständigen Zimmerzins zahlen. Er war aber mit der Schätzung nicht zufrieden, vor allem weil die Gemäller nach seiner Meinung zu hoch geschätzt worden waren. Man hat ihm 2 500 Gulden nachgelassen und versprochen, seine Restforderung von 26 011 Gulden binnen Jahresfrist aus dem Deputat von Don Matthias zu bezahlen. Diese Kommissare berichten, daß ihnen viele Forderungen nicht gerecht Vorkommen, weshalb sie eine Untersuchung vorschlagen. Die Legate sollten nach und nach bezahlt werden, wo­bei die pia legata den Vorrang haben sollten. Dieser Bericht kommt via Hofkam­mer an die Buchhaltung zur Kontrolle. Diese legt eine Liste mit 95 Schuldposten vor52’, wonach sich Schulden und Legate auf 180 423 Gulden belaufen - davon sind aber sicherlich nicht alle Schulden in gutem Geld oder lauter, weshalb auch die Buchhaltung eine Untersuchung durch die Kammerprokuratur vorschlägt523 524, was auch geschieht. Kommissare sind der Hofkammerrat Menoldus Hillebrand von Harfens und der Raitrat der niederösterreichischen Buchhaltung Johann Marien­baum. Nach ihrem Bericht schlägt die Hofkammer vor, die hinterlassenen Schulden nach und nach von jenen Ämtern zu bezahlen, auf die der Don Matthias mit seinem Deputat angewiesen war. Laut kaiserlicher Resolution hätte er über 200 000 Gul­den frei disponieren dürfen - diese Summe wurde nicht überschritten, also könne der Kaiser die „Erbschaft“ rechtlich kaum abstreiten. Da aber die Creditores meistentheils Handlsleuth seindt, welche dem Don Matthias allerhandt Wahren in hohem Preiß oder doch das Geld in langer Münz fürgestreckt [...] so soll man mit ihnen umb einen ergäbigen Nachlaß tractim. Dieser Vorschlag findet am 12. November 1627 die Zustimmung des Kaisers525 und so werden die Gläubiger nochmals vorgeladen und es wird ihnen die eher be­scheidene Ermäßigung von 1519 Gulden abgehandelt. Offen sind demnach noch Legate um 37 000 Gulden, 135 353 Gulden Schulden an Kauf- und Handelsleute (zum Teil in langem Geld), die Handwerker haben noch 2 922 Gulden zu bekom­men und für das Totengeläute sind 173 Gulden ausständig.526 Von seinem Personal haben noch Geld zu fordern: der Mundschenk Wenzel An­fang, der Küchenmeister Johann Albrecht, der Tennislehrer Julio Anfosso, der Kämmerer Peter Ballaine, die Hofmeister Karl Benk, Georg Proceller und Caspar Chertza, der Stallmeister Häuserer, der Zahlmeister Hans Konrad, der Agent Jo­hann Lew, die Leibwäscherin Ursula Renner, die Kammerdiener Hans Reischl, Pietro Vaglini und Hans Rosegger, der Leibarzt Andreas Säbisch und der Kammer­knabe Hans Graf Schermberg.527 523 HKA, Nö. HA, W 61A/9, fol. 880-905. 524 HKA, HF, r. Nr. 208, 1627 Mai 31. 525 HKA, HF, r. Nr. 211, 1627 Nov 17. 526 HKA, Nö. HA, W 61A/9, fol. 868-879, 906-909 und 916 f. 527 HKA, Konv. Don Matthias, fol. 1-259. 91

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