Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
Rezensionen
Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen Organ des Instituts für Österreichkunde Österreich in Geschichte und Literatur (32. Jg„ Heft 5, S. 269-279). Christoph Tepperberg, Wien Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau (Hrsg.): Sterbebücher von Auschwitz. Fragmente (englische Ausgabe: Death Books from Auschwitz. Remnants; polnische Ausgabe: Ksiqgi zgonów z Auschwitz. Frag- menty). 3 Bde. K. G. Saur: München-New Providence-London-Paris 1995. 1 970 S. Text und 214 S. Abb. Band 1: Berichte (317 Seiten Text und 214 Seiten Abbildungen) Band 2: Namensverzeichnis A-L (751 Seiten) Band 3: Namensverzeichnis M-Z und Annex A-Z (902 Seiten). Bei dem vorliegenden Werk handelt es sich um die Edition oder genauer Teiledition der Sterbematiken des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz- Birkenau, das von der SS im Frühjahr 1940 in den ehemals polnischen Kasernen von Auschwitz errichtet worden war. Die Sterbebücher sind der schriftliche Niederschlag aus der Tätigkeit des Standesamtes II Auschwitz. Dieses Amt unterstand zunächst dem zivilen Standesamt Bielitz, dann der Abteilung II - Politische Abteilung (Lagergestapo) und verzeichnete sämtliche Personenstandsänderungen im 40 km2 umfassenden Interessengebiet des KL Auschwitz. Sterbematiken waren ein für die Verwaltung nationalsozialistischer Konzentrationslager untypisches Schriftgut. Personenstandsbücher sind eigentlich Unterlagen der Zivilverwaltung. Durch den Umstand jedoch, daß sie im Interessengebiet eines NS-Konzentrationslagers produziert wurden und sich auf dieses Gebiet beziehen, wurden sie ftmktionell zu KZ-Unterlagen. Sie sind deshalb eine Quelle ganz besonderer Art und zugleich ein grausiger Beleg sowohl für die Penibilität als auch für die Verschleierungkunst der NS-Bürokratie: Die in den Büchern verzeichnten Verstorbenen wurden nicht als KZ-Häftlinge ausgewiesen, als Sterbeort ist durchwegs das unverfängliche „Auschwitz, Kasemenstraße“ angegeben, und Angaben über die Todesursachen waren bis auf wenige Ausnahmen gefälscht. Es ist nur ein kleiner Teil dieser Personenstandsregister erhalten gebliebenen, der Großteil wurde zusammen mit der Masse des in den Lagerkanzleien produzierten Schriftgutes bei der Evakuierung des Lagers im Jänner 1945 von der SS vernichtet, der Rest in das KL Groß-Rosen verbracht. 276 Seiten der Sterbebücher wurden in den fünfziger Jahren auf dem Gelände von Groß-Rosen ausgegraben, ein Einzelband befindet sich seit Kriegsende im Rijksinstitut voor Oorlogsdocumentation Amsterdam und 46 Bände schließlich, die bei der Befreiung des Lagers durch die Rote Armee nach Moskau verbracht worden waren, wurden in den Jahren 1991/92 vom Sonderarchiv Moskau dem Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau übergeben. 562