Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

Rezensionen

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen damit Ante Starcevic bzw. die ursprüngliche kroatische Staatsrechtsbewegung im gleichen, der „Modernisierung“ aufgeschlossenen Lager wie den „liberalen kroati­schen Jugoslawismus“. Im gegnerischen, „modemisierungsfeindlichen“ Lager sieht Dzaja hingegen die „kroatischen Klerikalen“ um Josip Frank und dem Erzbischof von Sarajevo Josip Stadler, dann die von Vuk Karadzic und Ilija Garasanin beein­flussten großserbischen politischen Kreise in Serbien, Kroatien und Bosnien- Herzegowina sowie die konservativen, reformfeindlichen, sich am Osmanischen Reich orientierenden bzw. klammernden politischen Kräfte der bosnisch- herzegowinischen Muslime. Das Schlüsselwort, nicht nur des Einleitungskapitels, sondern des gesamten Bu­ches ist der in der neueren historischen Literatur viel strapazierte Begriff Moderni­sierung. Unter diesem Aspekt betrachtet der Autor sowohl „Kulturelle Infrastruktu­ren in Bosnien und der Herzegowina 1878-1918 (Kapitel 1) als auch die „Herkunft, Bildungsschichtung und Bildungswege der Intelligentsia“ (Kapitel 2) und die „Intelligentsia und historisch-politische Identität der bosnisch-herzegowinischen Bevölkerung“ (Kapitel 3). Auch wenn die Polarisierung ziemlich deutlich ist (jugoslawisch = modern ; natio­nal = antimodern) betreibt Dzaja alles andere als vereinfachende Schwarzweißmale­rei, wie sie in der journalistischen und politologischen Trivialliteratur über den süd­osteuropäischen Raum anzutreffen ist. Nicht erst mit der vorliegenden Arbeit hat der Verfasser den von vielen westlichen Politikern, Politologen und Journalisten, aber auch manchen Historikern sorgfältig gepflegten Mythos von „paradiesischen Zu­ständen“, von einer „funktionierenden, harmonischen, multikulturellen“ Gesellschaft in der Vergangenheit, vor allem vor dem Auflcommen des Nationalismus in diesem Teil Europas und ganz besonders in Bosnien-Herzegowina, zerstört. Sowohl in sei­nen früheren Publikationen als auch mit dem neuen Buch zeigt Dzaja, dass es in der Vergangenheit höchstens einzelne Ansätze dazu gegeben hat. Den Grund hierfür, dass eine multikulturelle Gesellschaft in Bosnien-Herzegowina, trotz jahrhunderte­langem Nebeneinander verschiedener Konfessionen und Ethnien, nicht Wirklichkeit wurde, sieht er in der „autistischen Selbstbezogenheit“ (S. 8) der Intelligenz aller drei Konfessionen bzw. Nationen Bosniens und der Herzegowina, insbesondere aber der serbischen, die sehr stark von den politischen Strömungen Serbiens beeinflusst wurde. In drei Abschnitten beschreibt der Autor, sich auf umfangreiches Archivmaterial, Primärliteratur sowie Zeitungen und Zeitschriften stützend, die Entstehung der bos­nisch-herzegowinischen Intelligenzschicht der drei Konfessionen und deren Aufstieg zu bestimmenden politischen Kräften dieser sich durch ideologische Beeinflussung bzw. Indoktrinierung der eben neu entstandenen Intelligenzschicht als Nationen zu fühlen beginnenden Gruppen. Dzaja beschäftigt sich in seiner Darstellung zum er­sten Mal intensiv mit der Intellektuellenschicht Bosniens und der Herzegowina, ihrer Herkunft und ihren politischen Ansichten. Vor diesem Hintergrund untersucht er die verschiedenen Nationalismen in dem von Österreich-Ungarn okkupierten Lande, die die Voraussetzung für die Entwicklung der drei verschiedenen Nationen bis in die 558

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