Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

Rezensionen

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen die zentrale Rolle Christian Wolff’s als preußischer Staatsideologe vorstellt, sich über die inneren Widersprüche der „Revolution von oben“ Josephs II. moquiert und schließlich (allzu kurz) den konservativen Widerstand anhand von Justus Möser und Georg Schlosser skizziert. Zwei weitere Beiträge widmen sich der Wissenschaftsge­schichte - Fritz Reckow (Die Schwülstigkeit Johann Sebastian Bachs...) sieht das Neuaufbrechen aufklärerischer Ideen auch im musiktheoretischen Prinzipienstreit von „Melodie“ versus „Harmonie“, Renate Wittern (Medizin und Aufklärung) kon­statiert zwar ein Fehlen bedeutender medizinischer Fortschritte auf therapeutischem Gebiet im Berichtszeitraum, verweist jedoch auf die revolutionäre Entdeckung Al­brecht von Haller’s, der die „Irritabilität (bzw. Kontraktilität) der Muskelfaser und die Sensibilität der Nerven“ erstmals nachweisen konnte. Gregor Schöllgen schließ­lich (1993: Eine andere Welt? Ausblick in die Gegenwart) führt uns mit politikwis­senschaftlichen Abschlußbetrachtungen aus dem Thema. - Von der hohen Diploma­tie über das auslaufende Zunftwesen bis zur fränkischen Planungsstadt tangiert das vorliegende Werk zahlreiche Bereiche gesellschaftlichen Lebens, die sich gerade rapide zu ändern anschickten: eine - letztmögliche - Momentaufnahme des Ancien régime. Robert Rill, Wien Calic, Marie-Janine: Sozialgeschichte Serbiens 1815-1941. Der aufhaltsame Fortschritt während der Industrialisierung. Oldenbourg: München 1994. (Südosteuropäische Arbeiten 92). 496 S., graph. Darst., Kt. . Im vorliegenden Buch versucht Marie-Janine Calic anhand Serbiens „vor dem Hintergrund von (strukturellen) Entwicklungsblockaden und (konjunkturellen) Mo­dernisierungskrisen die Typologie einer südosteuropäischen Entwicklungsgesell­schaft“ (S. 26) zu entwerfen. Es folgt, wie die Autorin selbst bemerkt, „einer Misch­form aus chronologischer und systematischer Gliederung, um zu verdeutlichen, dass zu unterschiedlichen geschichtlichen Zeiten jeweils andere soziale und wirtschaftli­che Fragen besondere Brisanz entfalten, auch wenn es sich bei ihnen um epochen- übergreifende Phänomene handelt“ (S. 26). Das erste Kapitel der Studie befasst sich mit den historischen Wurzeln des serbi­schen Entwicklungsweges und ist der Interdependenz von gesellschaftlichen Refor­men, der Agrarproduktivität und den Einkommen der bäuerlichen Bevölkerung gewidmet. Im zweiten Kapitel, das sich mit der Entwicklungsphase von 1878 bis 1914 beschäftigt, rücken äußere Einflüsse in den Vordergrand. Strukturelle, soziale und wirtschaftliche Probleme der jungen serbischen Industrie und die Bildung neuer Gesellschaftsschichten stehen im Mittelpunkt des dritten Abschnitts. Dass die Weltwirtschaftskrise lediglich zu einer Verstärkung der bereits im 19. Jahrhundert angelegten sozialen und ökonomischen Strukturprobleme führte, wird im darauffol­genden, vierten Kapitel, behandelt. Im vorletzten Kapitel werden die wirtschaftspo­litischen Alternativen in den 1930er Jahren und die Resultate der Industrialisierung 554

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