Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen zuweisen. Helmut Neuhaus (Hie Österreichisch - hie Fritzisch. Die Wende der 1740er Jahre in der Geschichte des Alten Reiches) ruft anhand amüsanter Mei­nungsverschiedenheiten innerhalb der Familie Goethe die komplizierte machtpoliti­sche Konstellation im Reich zur Zeit Karl’s VII. bzw. deren Rezeption bei Vertretern deutscher Kleinstaaten in Erinnerung, während Reiner Pommerin (Das europäische Staatensystem zwischen Kooperation und Konfrontation 1739-1856) - eigentlich über den gesteckten Zeitraum hinausgreifend - in einer klassischen staatsgeschicht­lichen Analyse zunächst auf den bekannten Niedergang (Spanien) und Aufstieg (Preußen und Rußland) von Großmächten sowie auf deren Folgen (etwa Kaunitz’s Renversement des alliances) hinweist, dann aber als zugrundeliegendes theoretisches Element den Begriff des „Äquilibriums“ vorstellt, der konstituierend gewesen sei für außenpolitische Erwägungen aller Staatsmänner vom Utrechter Frieden bis zur Französischen Revolution und wieder (letztlich) bis zum Beginn des Krimkrieges. Helmut Altrichter (Eine Reise ins elisabethanische Moskau. Staat und Gesellschaft Rußlands im 18. Jahrhundert) besticht mit seiner lebensnahen Beschreibung von Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst’s (der späteren Zarin Ka­tharina II.) Reise nach Moskau, der dortigen Lebensumstände (auch der hygieni­schen Verhältnisse), des mehrmaligen Beginnens und Scheiterns von Reformen in Rußland, des ausschweifenden Hoflebens, dynastischer Intriguen und schließlich des wechselnden Erfolges der als aufgeklärte Autokratin regierenden Zarin, die ihr Land aber doch zum Zenit seiner Macht geführt habe. Karl H. Metz (Der gefesselte Prome­theus? Technik und Gesellschaft im Anden régime) bemüht sich etwas maniriert um eine Darstellung der Rückkoppelung der Technik, die er, wiewohl am Vorabend der frühindustriellen Revolution, noch als Ergebnis der Handarbeit bezeichnet, auf Öko­nomie und Gesellschaft. Fast als Exkurs - aber wegen der Einarbeitung neuer For­schungsergebnisse umso wertvoller - präsentiert sich Bernhard Rupprecht („Ge- dächtnuß der von Uns angefangenen Neuen Stadt zu St. Georgen am See.“ Die Planstadt des Markgrafen Georg Wilhelm) in seiner Monographie über St. Georgen bei Bamberg, indem er die ideengeschichtliche Basis für diese Planstadt als zwischen barocker Selbstdarstellung (Schloß, Ordenskirche) und aufgeklärtem Utilitarismus (Porzellanmanufaktur, Zuchthaus) angesiedelt darstellt. Es folgen zwei Beiträge über die Philosophie(n) der Aufklärung: Wolfgang Hartwig (Wie deutsch war die deut­sche Aufklärung ?) definiert die Aufklärung in Deutschland (im Unterschied zu englischen und französischen Strömungen) als „religiös-antikonfessionell“ und sieht in Friedrich’s II. von Preußen Abwendung vom Gottesgnadentum und Hinwendung zur Vertragstheorie die Wurzeln für eine selbständige Aufgabe der Naturrechtslehre in der deutschen Philosophie, die folglich dazu diene, zur Aufrechterhaltung von rechtlicher und moralischer Ordnung unter Zuhilfenahme der „guten Polizey“ die „allgemeine Glückseligkeit“ zu administrieren. Auch widmet er sich der sprachrei- nigenden Rolle des Frühnationalismus in den „Deutschen Gesellschaften“ bzw. dem diesbezüglichen Wirken Johann Christoph Gottscheds, während Christoph Link (Zwischen Absolutismus und Revolution. Aufgeklärtes Denken über Recht und Staat in der Mitte des 18. Jahrhunderts) die Nützlichkeitsethik der Aufklärung pointiert hinterfragt - ebenso die „Reißbrettkonstruktion der Welt“ und deren fatale Folgen -, 553

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