Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794
Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen sehen Städte. Unter anderem wird aus dem Beitrag der wenig bekannte Umstand deutlich, daß die Stadtmauern in Tirol fast nie generell beseitigt, sondern - freilich im Unterschied zu neuzeitlichen Befestigungsanlagen - meist sukzessive von der Bürgerschaft umgestaltet wurden; ein einschlägiger Quellenapparat erhellt diese These. Das übrigens reich bebilderte Werk stellt einen Sammelband über die Festungsarchitektur der Menschheitsgeschichte dar - deren eindeutigen Mittelpunkt im gegebenen Fall die Tiroler Landeskunde bildet. Aber kehren wir zu Biller’s oben skizziertem Vorwurf zurück, daß nämlich einzelnen Regionalforschungen die übergreifende Analyse fehle, so finden wir gerade hier einen wertvollen Beitrag, der freilich - aufgrund völlig verschiedener Themen und Lösungsansätze - kein Resultat, doch auch nicht weniger als eine Zwischenbilanz der kompetentesten Fachleute anbietet. Robert Rill, Wien Neuhaus, Helmut (Hrsg.): Aufbrach aus dem Ancien régime. Beiträge zur Geschichte des 18. Jahrhunderts. Köln-Weimar-Wien 1993, 312 S. Stellt dieser Sammelband auch - wie aus dem Titel in keiner Weise hervorgeht - eine Festschrift zum 250jährigen Gründungstag der Universität Erlangen dar, so bildet er dennoch in seiner Symbiose von lokalgeschichtlichen und allgemein gehaltenen Aufsätzen eine Bestandsaufnahme des politischen, kulturellen, wissenschaftlichen und sozialen Lebens des 18. Jahrhunderts, die weit über den fränkischen Kernbereich hinausgreift. Werner Goez (Erlangens Nachbar-Universität Altdorf im Jahre 1743) widmet sich der kritischen Reaktion der in schrittweisem Niedergang begriffenen Universität Altdorf auf die Gründung der neuen Rivalin ab 1743, beschreibt u. a. anhand zeitgenössischer Verbote und Beschwerden (etwa über „Weinschmausen und Traktiren“ sowie „Tee- und Coffee-Trinken“) den Studenten- und Professorenalltag, stellt das Professorenkolleg vor und bringt interessante Zitate aus studentischen Tagebüchern aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Weiter hinten finden wir bei Alfred Wendehorst (Die fränkische Universitätslandschaft in der Mitte des 18. Jahrhunderts) als thematischen Anschluß eine vergleichende Universitätsge- schichte, die ebenso den sozialen und ökonomischen Bereich abdeckt, der vier Universitäten des fränkischen Reichskreises, nämlich Altdorf, Bamberg, Erlangen und Würzburg. Werner K. Blessing (Ständische Lebenswelten. Frankens Gesellschaft in der Mitte des 18. Jahrhunderts) erkennt gerade in der Kleinstaatlichkeit, in den verschiedenen Verfassungen und in der konfessionellen Zweiteilung Frankens ein Spiegelbild des alten Reiches und erarbeitet eine horizontale, durch das konfessionelle Element geprägte Betrachtungsweise sowie eine vertikale, auf die ständischen Divergenzen hinorientierte, mit der er die fränkische Gesellschaft des vorindustriellen Zeitalters untersucht, freilich nicht ohne auf die bereits vorhandene und immer deutlicher zutage tretende immanente demographische und ökonomische Dynamik hin552