Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen Malerei eher der Bequemlichkeit und der Selbstdarstellung dienten. (Österreichische Befestigungsanlagen im 19. Jahrhundert) schildert uns die komplizierte Entste- hungs- und Baugeschichte sowie die kurze strategische Nutzung von vier österreichi­schen Befestigungsanlagen des 19. Jahrhunderts. Das bereits andeutungsweise er­wähnte neue System, resultierend aus der in den napoleonischen Kriegen evident gewordenen Insuffizienz bisheriger, auf Vauban beruhender Modelle des 18. Jahr­hunderts, jenes der großflächigen artilleristischen Hinterlandsverteidigung, fand in Linz, Kufstein, der Franzensfeste und bei Nauders seinen architektonischen Nieder­schlag. Die vor 1815 (nicht zuletzt auch in Frankreich) gemachten Erfahrungen Fährten europaweit zu einem strategischen Umdenken, dessen österreichischer Ex­ponent, Erzherzog Maximilian, 1827 dem Kaiser einen weitreichenden Reichsbefe­stigungsplan vorlegte, der insgesamt 14 neue oder zu erneuernde Festungen auf dem Boden der Monarchie vorsah. Ein Bruchteil wurde verwirklicht. 1831 bis 1837 baute man in Linz auf beiden Donauseiten und am Pöstlingberg eine Anlage mit 32 Tür­men, die an Montalembert angelehnt aber weitaus sparsamer konstruiert waren. Als Novum galt, daß jeder Turm selbständig operierte - Hillbrand vergleicht dies an­schaulich mit der Ausrüstung eines Kriegsschiffes in einem Flottenverband -, doch von den Nachbartürmen gedeckt war, woraus eine geschlossene Feuerlinie resultier­te. Schon ab 1858 wurde Linz schrittweise aufgelassen, die Erhaltungskosten waren einfach zu hoch. Der Thierberg bei Kufstein, eine Anlage, die vor allem den dortigen Bahnhof gegen Norden hätte schützen sollen, erlitt 1874 das gleiche Schicksal, wo­bei der Verfall noch durch Sprengungen beschleunigt wurde. Im Zentmm Tirols war ein weiterer Festungsgürtel (ebenfalls unter Federführung Erzherzog Maximilians) geplant gewesen, von dem aber lediglich die Sperre bei Aicha - freilich die europa­weit größte ihrer Art - unter dem Namen „Franzensfeste“ verwirklicht wurde. Sie sollte dann nur mehr als Depotfeste dienen. Hillbrand gelingt schlüssig die Beant­wortung einer vieldiskutierten, auch politisch relevanten Frage, ob die Festung näm­lich nach Norden oder Süden orientiert sei, indem er feststellt, daß aufgrund eines geplanten Waffendepots im Süden der Anlage die Front der Franzensfeste eindeutig im Norden zu suchen sei. Eine weitere Festung, die an der Finstermünsterstraße in den Fels gehauene „Ferdinandsfeste“ (der Name hat sich nie eingebürgert) wurde 1841 fertiggestellt, noch verlor sie ihre Bedeutung nach den neuen Grenzziehungen von 1859/66, als mit den geänderten politischen Verhältnissen und dem neuen Be­drohungsbild auch neue Werke zu errichten waren, deren Krönungen, Folgaria und Lavarone, bereits dem 20. Jahrhundert zuzurechnen sind. Abschließend verweist der Autor auf die erfreuliche Rezeption der Leistungen der österreichischen Festungs­baukunst im Ausland, namentlich in Frankreich, und auf den Unwillen österreichi­scher Behörden und von diesen abhängiger Wissenschaftler, den genannten Zeugen früher Landesverteidigung gerecht zu werden - ein Phänomen, das unter geänderten Bedingungen an Aktualität nichts verloren hat. (Das Phänomen .Stadtmauer1 in Tirol) untersucht vergleichend die Präsenz noch vorhandener Stadtmauern in Tiroler Städten, die er in fünf Gruppen zusammenfaßt: die fürsterzbischöflich tridentini- schen Gründungen, die fürsterzbischöflich Brixener Städte, Innsbruck, Lienz (als Einzelphänomene), die Gründungen der Grafen von Tirol und die ehemals bayeri­551

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