Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen dungsmerkmale auf; es wird aber in diesem Zeitraum ein Modell ausgebildet, das in der zweiten Phase, bis etwa 1430, „Serienreife“ auch für kleinere Städte erreicht. Die Verbreitung der Feuerwaffe schließlich bringt als wichtigste Veränderung das Ab­weichen vom hohen Turm zugunsten des niedrigen Kanonenbollwerkes, und (Burg und , Staff vom Germanischen bis zum Frühmittelhochdeutschen) widmen sich der semantischen Begriffsentwicklung (bzw. dem Bedeutungswandel der Begriffe) von „Burg“, aber auch „gardr“ oder „gradu“ in Osteuropa sowie den vergleichbaren Be­zeichnungen bei den Angelsachsen (etwa „ceaster“ und „castle“), denen sie die la­teinischen Ausdrücke „civitas“ und „urbs“ gegenüberstellen. Die heute üblichen Begriffe setzen sich ab dem 12. Jahrhundert durch, als der Adel den Ausdruck „bürg“ okkupierte und die Stadt im herkömmlichen Sinn ihren Namen („stat“) er­hielt, wofür die Autoren zahlreiche literarische Beispiele liefern. Das wichtige The­ma von (Wandlungen in der Stadtbefestigungstechnik seit dem frühen 16. Jahrhun­dert) scheint mit 15 Seiten doch recht kurz bemessen, sodaß der Autor auch nur die generellen Entwicklungslinien zu skizzieren vermag. Die neuzeitliche Festungsar­chitektur teilt er in drei Phasen, wobei die erste von 1550 bis 1800 dauert, die zweite das 19., die dritte das 20. Jahrhundert einnimmt. Aufgrand der Bedrohungen durch schwere Artillerie im Belagerangskrieg sei die Bastion das grundlegende Lösungs­modell bei den Defensivbauten der ersten Phase. Etwas im Gegensatz zu diesem gewählten Schema erkennt der Autor einen um 1700 beginnenden dreistufigen Mo- dernisierangsschub, der bei den preußischen Befestigungen Friedrichs II. durch ein Fehlen der architektonischen Verbindung zwischen Zentrum und Außenwerk (statt dessen wählte man ein System von Gräben) evident wird, sich bei Montalembert’s Ersetzen der Bastionen durch Türme und Grabenwerke, die den Einsatz einer über­mächtigen Verteidigungsartillerie hätten ermöglichen sollen, fortsetzt und schließ­lich in den Festungsgürteln der nachnapoleonischen Ära mündet. (Zur Finanzierung und Organisation von Stadtbefestigungen) widmet sich der ökonomischen und sozia­len Seite des Themas: Die divergierende Arbeitszeit beim Festungsbau wird erläu­tert, aber auch die starken Entlohnungsunterschiede bei den einzelnen in diesem Bereich tätigen Berufsgruppen, wie Handwerkern, Tagelöhnern oder Fuhrwerkem, wobei letztere interessanterweise zu den Spitzenverdienern zählten. Probleme erga­ben sich auch bei der Beschaffung des Baumaterials, während die finanziellen Mit­tel, wie das Beispiel von St. Gallen veranschaulicht, meist aus Geldstrafen einzelner Bürger resultierten. Mehrere Seiten sind auch der graduell verschiedenen Einbezie­hung der Judengemeinden in die Stadtverteidigung gewidmet. (Burgenbau in Tirol im 16. Jahrhundert - Defension oder Prestige) überrascht mit der Feststellung, daß von den 160 Tiroler Burgen und Schlössern nur 50 keine baulichen Veränderungen im Berichtszeitraum erfuhren. Die Hauptfunktion sei zwar immer noch in der Wehr­haftigkeit gelegen, doch folgten bereits das Streben nach bequemen, zeitgemäßen Wohnbauten und die Bedürfnisse des Prestiges nach-im Unterschied zu Ostöster­reich habe man in der Regel in Tirol die Burg kaum zugunsten eines neuzeitlichen Gebäudes verlassen. Am Beispiel von Sigmundskron erläutert die Autorin die forti- fikatorischen Lösungsmodelle als Antwort auf die neue artilleristische Bedrohung, während die zahlreichen neu hinzugefugten Loggienhöfe bzw. die Zunahme der 550

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