Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen am 2. Februar sowie zum Rückzug der Kaiserlichen bis zur Piave. Erzherzog Karl wurde nun mit dem Oberkommando der Italien-Armee betraut. Sofort nach seiner Ankunft reiste er wieder nach Wien, um den Kaiser zu einem Friedensschluß zu bewegen. Noch einmal konnte Thugut sich dagegen durchsetzen, doch als Anfang April die Franzosen in der Steiermark standen und auch die ökonomische Katastro­phe in Wien perfekt war, ging der Kaiser gegen den dezidierten Willen seines Au­ßenministers auf die Friedensvorschläge Bonapartes ein. Freilich lag der Waffen­stillstand trotz des vorangegangenen Triumphmarsches auch im höchsten Interesse des französischen Generals: Dean verweist auf die kaiserliche Entsatzarmee, die letztlich doch vom Rhein aufgebrochen war, die Erfolge der Kaiserlichen in Tirol, wo sie Bonaparte im Rücken bedrohten und vor allem die Erhebung in Venetien (die in ihrer Tragweite allerdings unterbewertet erscheint), die bei konsequenter Führung ein ernsthaftes Gegengewicht dargestellt hätte. Auf jeden Fall ist es laut Dean Thu- guts politische Niederlage in dieser Situation, die seine Wandlung vom bündnisori­entierten Optimisten zum zögernden Einzelgänger der kommenden Jahre bewirken sollte. In der Folge widmet sich der Autor den bekannten zähen Verhandlungen, die zum Frieden von Campoformido führten sowie dem Kongreß von Rastatt, der die kriegs­vorbereitenden Maßnahmen beider Seiten begleitete. Bei den nun geführten Koaliti­onsgesprächen kam es auch zu einer Annäherung Österreichs an Preußen, die scheiterte, als Preußen sich gegen weiteren österreichischen Landerwerb in Italien wandte. Ziel und Scheitern von Thuguts Politik werden bereits zu diesem Zeitpunkt evident: Während England und Rußland für die Restauration kämpften, war Thugut von nun an bestrebt, seine Armeen zu schonen, die Kronländer zu sichern, und - auch das, wie sich zeigen sollte, durch die Waffentaten eines fremden Heeres - Norditalien unter österreichische Herrschaft zu bringen. Der Rheinarmee kam in Hinkunft die defensive Hauptaufgabe zu, ein Vordringen der Franzosen zu unterbin­den, aber gleichzeitig auch wieder gegen Preußen zu sichern - eine von den Alliier­ten mißtrauisch als halbherzig kritisierte Taktik. Bei der Zweiten Koalition von 1799 hatte man sich, was sich laut Dean als schwe­rer Fehler erweisen sollte, gar nicht erst auf politische Vorgaben eingelassen, um den Erfolg nicht zu gefährden. Beide Partner Österreichs dachten jedoch primär an eine Restauration, nicht an eine Stärkung Österreichs als zentraleuropäisches Gegenge­wicht zum neutralen Preußen-Der Italienfeldzug des ersten Halbjahres 1799 gestal­tete sich als glänzender Eroberungszug, in dem den Franzosen die Beute von 1696/97 in raschen Schlägen wieder abgenommen wurde-Bonaparte war ja in Ägypten gebunden. Kommandant war der russische General Suvorov, dem es nicht nur gelang, die Lombardei und Piemont zurückzuerobern, sondern auch die von Mittelitalien herbeieilenden Franzosen zu schlagen. Im Sommer war jedoch eine Pattstellung erreicht, die Franzosen hatten in den Alpen Position bezogen und lang­sam verschob sich das Kräfteverhältnis zu ihren Gunsten. Eine mögliche alliierte Invasion in Frankreich versuchte Thugut zu unterbinden, die Wiederherstellung vorrevolutionärer Verhältnisse (eventuell eines starken Bourbonenstaates) lag ihm 545

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