Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen fern. In Italien stießen die Meinungen am härtesten aufeinander: Thugut bemühte sich, in den besetzten Gebieten Militärregierungen einzurichten, während Suvorov bereits Einladungen an entthronte Fürsten zur Rückkehr ausgesprochen hatte. Die die Kriegsziele betreffenden Querelen führten nach dem Zug Suvorovs über den St. Gotthard im Herbst und Winter 1799/1800 schließlich zum Bruch der Koalition und zum Ausscheiden der Russen aus dem Krieg. Inzwischen war auch Bonaperte nach Frankreich zurückgekehrt und begann nach dem Staatsstreich vom 9. November 1799 mit der Reorganisation seiner Armee. Thuguts Politik, deren Früchte im Sommer zum Greifen nahe erschienen waren, war gescheitert, eine neue Katastrophe bahnte sich an. In der Folge widmet sich der Verfasser noch strategischen Überlegungen. Die po­litischen, sozialen und ökonomischen Gründe, die den monarchisch gelenkten Staa­ten das Kriegführen auf der Basis einer „leveé en masse“ verwehrten, werden vorge­stellt, ebenso das französische „Requisitionssystem“, das letztlich das Festungswesen revolutioniert habe und die Anfänge der Volksbewaffnung in Österreich (Tiroler Schützen 1796/97, 1799). Zusammenfassend betont der Autor nochmals die Unver­änderlichkeit von Thuguts Zielsetzung, nämlich die territoriale Expansion in Italien als Gegengewicht zu vor allem preußischen Gebietszuwächsen, aber auch die grundlegend veränderte Taktik, die der Politiker nach der Enttäuschung des Vorfrie­dens von Leoben einschlug. - Das Buch stellt eine ausgezeichnete Übersicht über die politische und militärische Geschichte Zentraleuropas von 1796 bis 1799 dar. Der Autor des Werkes, das 1988 als Dissertation an der Universität Cambridge appro­biert wurde, arbeitete allein in drei Abteilungen des Österreichischen Staatsarchivs und wußte sich die Basisliteratur geschickt zunutze zu machen. Daß österreichische Originalquellen ausschließlich englisch zitiert werden, wirkt allerdings störend. Auch mangelt die Analyse der Geisteshaltung und Person des Freiherrn von Thugut etwas an Tiefe, da sie nicht über die oben skizzierte Grundkonzeption seiner Außen­politik vordringt. Alles in allem aber ist das Werk auch aufgrund seines kriegsge­schichtlichen Detailreichtums, wovon zahlreiche Schlachtenskizzen zeugen, durch­aus geeignet, die für diesen Zeitraum klaffenden Lücken in der offiziellen österrei­chischen Kriegsgeschichtsschreibung schließen zu helfen. Robert Rill, Wien Coreth, Anna: Liebe ohne Maß. Geschichte der Herz-Jesu-Verehrung in Österreich im 18. Jahrhundert. Maria Roggendorf-Hom 1994 (Cor ad Cor. Schriften im Dienst der Herz-Jesu-Verehrung 4). 245 S. Von rein politischer Perspektive her betrachtet ist die Herz-Jesu-Verehrung im Österreich des 18. Jahrhunderts - und dies gilt insbesondere ab der Jahrhundertmit­te - als Teilaspekt des kirchlichen Widerstandes gegen Säkularisierung und Aufklä­rung zu betrachten. Die „Herzier“, wie die Bruderschaften und ihre Sympathisanten von ihren Gegnern bald genannt wurden, wurden zu Ende des Jahrhunderts gemein­546

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