Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen Dean, Martin C.: Austrian Policy during the French Revolutionary Wars 1796-1799, MHD-Sonderreihe Band 3. Published by the Austrian Army Historical Museum/Military Historical Institute, Wien 1993. 225 S. Das Primat der Außenpolitik, noch basierend auf den Doktrinen des europäischen Gleichgewichtes der Jahrzehnte zuvor, zieht sich als roter Faden durch die Gedan­kenwelt des mit der Leitung der auswärtigen Geschäfte betrauten österreichischen Ministers Freiherr von Thugut - und führte, wie Dean postuliert, aufgrund der somit zwangsläufig gegebenen Unterbewertung und Hintansetzung strategisch-militäri­scher Erfordernisse in die Katastrophe des Scheiterns der zweiten Koalition gegen Frankreich. Während der Jahre 1796 und 1797 glaubte Thugut trotz aller militärischer Mißer­folge auf dem italienischen Kriegsschauplatz unbeirrt an die von ihm zustande ge­brachte Koalition mit England und Rußland und an deren kalkulierte Effizienz im Kampf gegen die Revolutionsarmeen, was ihn an einem Sonderfrieden mit Frank­reich (er hatte ursprünglich Bayern und Belgien von Paris angeboten bekommen) hinderte. Allerdings bestand lange Zeit Rußlands einziger Beitrag in der Bedrohung des neutralen Preußen von Osten her, das auf diese Weise von einem Eingreifen auf französischer Seite abgehalten werden sollte. In dieser Konstellation zeigt sich eine Wurzel von Thuguts eingangs geschildertem Gedankengebäude: Es war die Konkur­renz zu Preußen, die ihn, noch beeindruckt von der Zweiten polnischen Teilung, in ein beharrliches Kompensationsdenken trieb, und je weiter und triumphaler Bona­parte in Italien vorrückte, um so mehr bemühte sich Thugut um die Rückeroberung gerade jener Gebiete, die er dann allerdings nicht im Sinne der Restauration wieder­herzustellen, sondern als Kompensation für anderweitige Kriegsverluste an die Donaumonarchie anzuschließen gedachte. Der Sommer 1796 brachte jedoch die öffentliche Meinung - auch viele seiner Po­litiker-Kollegen - bereits in Gegensatz zu Thugut. Dazu kamen Mißerfolge Erzher­zog Karls am Rhein und die immer prekärer werdende finanzielle Situation - die tatsächlich eintreffenden englischen Zahlungen sollten weit hinter österreichischer- seits gehegten Hoffnungen Zurückbleiben. Dennoch gelang es dem Minister im Au­gust 1796, sich gegen die wichtigsten anderen Politiker beim Kaiser (auch gegen dessen anfängliche Ansichten) im Sinne einer Fortsetzung des Krieges durchzuset­zen. Das Hauptargument bildeten die Rücksicht auf die Verbündeten und der Hin­weis auf notwendige vorherige Erfolge, um einen günstigen Frieden schließen zu können. Während ihm Erzherzog Karls Erfolge nach der Schlacht bei Würzburg rechtzugeben schienen, und auch die französischen Brückenköpfe Kehl und Hünin- gen am rechten Rheinufer genommen werden konnten, führten alle Versuche, die Festung Mantua zu entsetzen nicht nur zu blutigen Niederlagen, sondern auch zu einer kaum mehr reparablen Schwächung der Italien-Armee. Der letzte Vorstoß unter Feldzeugmeister Allvintzy im Jänner 1797 begann mit einem Täuschungsma­növer, indem die Österreicher in drei Detachements angriffen, endete aber eigentlich bereits mit dem Sieg Bonapartes bei Rivoli und führte zur Kapitulation der Festung 544

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