Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)

ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794

Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen Stockholm, aus dem auch einige Fotografien stammen, etwa die Ankunft der öster­reichischen Delegation in Stockholm. Die Regierung Österreich-Ungarns erlaubte den Sozialdemokraten die Reise nach Stockholm. Sie paßte ins Konzept des neuen Außenministers Czernin, der auf einen sofortigen Frieden hinarbeitete. Die österreichische Delegation wurde am 25. und 26. Mai offiziell angehört. (Kurz zuvor war übrigens das Urteil im aufsehenerregen­den Prozeß gegen Friedrich Adler gesprochen worden.) Die Österreicher unter der Führung Viktor Adlers versuchten Verständnis für die Haltung der Partei seit dem Kriegsausbruch zu wecken. Sie vertraten, bei allem Drängen nach Frieden, Positio­nen, die denen Czernins und denen der SPD nahestanden, was natürlich bei den Linken Enttäuschung hervorrief. Am Tisch saßen überigens auch die Vertreter ande­rer Nationalitäten der Monarchie. Die Konferenz ist gemessen an ihrem Anspruch gescheitert. Die Auffassungsun­terschiede zwischen den Sozialisten der Mittelmächte und der Ententestaaten und zwischen den beiden großen Flügeln der Arbeiterbewegung, der gemäßigten Mehr­heit und der linken Minderheit, waren zu groß. Dennoch hat Stockholm, wie Marin herausarbeitet, einiges bewegt. Es brachte das Gespräch unter den sozialistischen Parteien wieder in Gang und war so ein wichtiger Schritt für die Wiederbelebung der 2. Internationale; es veränderte tiefgreifend die Beziehung zwischen den sozialisti­schen Parteien und den Regierungen in den Ententestaaten, sodaß der „Burgfriede“ darüber zerbrach; es veränderte überhaupt so manche Partei, indem es sie zwang, ihre Position zu klären und auf die Friedenssehnsucht der eigenen Parteibasis stärker einzugehen; und es bedeutete ein Stärkung jener Ideen, die dann in den Wilsonschen Punkten wiederkehren, nämlich Absage an die Geheimdiplomatie, Selbstbestim­mung der Völker usw. Stefan Maifér, Wien Hamann, Brigitte: Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators Piper: München- Zürich 1996. 632 S., 100 Abb. und Faks. Das allgemeine Interesse an den negativen Erscheinungen unserer Zeit läßt nicht nach und gerade vor der Jahrhundertwende bilden die blutigsten Massenmörder der vergangenen Epoche weiterhin einen beliebten Gegenstand der biographischen und historischen Forschung. Während aber Josef Stalins Leben nach dem Zerfall der Sowjetunion und dem Ende des „realen Sozialismus“ trotz zunehmender Eröffnung der Archive im Osten noch einer gründlichen Bearbeitung in vielen Deails harrt, liegt über Adolf Hitler eine nahezu unübersehbare Fülle von Publikationen vor, frei­lich meistens von sehr fragwürdigem Wert. Der vorliegende Band sollte Anstoß geben zu einer gründlichen Revision des Hitlerbildes durch die Zeithistoriker. Die Wiener Jahre des jungen Hitler wurden bereits vor über drei Jahrzehnten von einem amerikanischen Historiker untersucht, der sich freilich eher für die ständi­sche, politische, soziale und kulturelle Umgebung als für die Person interessierte. 541

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