Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794
Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen Die Wiener Zeit Hitlers wurde auch schon sehr bald nach seinem Ende, aber oberflächlich und vielfach in Erinnerungswerken, vorwiegend wertlosen Quellen behandelt. Die Zeitgeschichtsforschung in Österreich und Deutschland hat sich eher abseits gehalten und sich sogar nur auf Aussagen in „Mein Kampf4 verlassen. Allerdings haben schon bald ausländische Geschichtsforscher, vor allem aus den USA und Israel die Gespinste von halben Wahrheiten und ganzen Lügen zerrissen und entlarvt. Mit dem vorliegenden Buch wird hoffentlich eine neue und solidere Phase der einschlägigen Forschung eingeleitet. Die Verf. ist für die Behandlung des Themas in mehrfacher Hinsicht prädestiniert. Sie hat sich bisher schon mehrfach mit psychopathischen Persönlichkeiten der späteren Habsburgerdynastie befaßt und sich dabei durch eine pofunde, kaum zu überbietende Erschließung neuer und oft wichtigster Quellen ausgezeichnet. Auch das vorliegende Werk besticht durch eine Fülle neueren, mit großer Mühe und Ausdauer zusammengetragenen Materials. Bisher unbekannte Fakten werden aufgedeckt, aber auch Bekanntes ergänzt und vieles erscheint so auch in neuem Licht. Die kritische Grundhaltung, die dabei entwickelt wird, möchte man auch vielen zeitgeschichtlichen Studien im letzten Jahrzeht, zumal in unseren Breitegraden wünschen. Die Autorin behandelt einleitend die Vorgeschichte, d. h. die Jahre bevor Hitler nach Wien zog und bietet uns auch seinen Stammbaum. Schon hier kann sie manches klären und richtigstellen. Ihre Darstellung wird häufig von quellenkritischen Exkursen ergänzt, so auch über die Waldviertier Vorfahren. In der Kritik der zahllosen „Zeugen“ erweist sich das bisher vorliegende Material als wenig verläßlich, doch wird von Hamann Kubbizek trotz vieler Vorbehalte höher eingeschätzt als Jetzinger. Die Lebensumstände und Vermögensverhältnisse dieser düsteren Jahre des späteren „Führers“ werden genau erforscht, auch mit einer minutiösen Spurensuchc nach seinen Quartieren bis zum Einzug in das berühmte Männerheim in der Brigittenau, wo er vom Februar 1910 bis zur seiner Übersiedlung nach München im Mai 1913 seine Bleibe fand. Einen breiten Raum nimmt die Schilderung der allgemeinen sozialen und politischen Zustände im Wien dieser Jahre ein. Politische Leitbilder des arbeitsscheuen jungen Herumtreibers sind dabei nicht nur Lueger, dessen Rolleais erfolgreicher Volkstribun sehr prägsam werden sollte und Schönerer mit seinen großdeutschen Ideen - sein soziales Engament hat auch Hitler nicht erkannt - sondern auch Franz Stein als Führer der alldeutschen Arbeiterbewegung, sowie Karl Hermann Wolf. An den politischen Programmen und Ideen dieser doch eher erfolglosen Herren befestige sich bei Hitler seine alldeutschen, antihabsburgischen und antiliberalen Überzeugungen. Dies zeigte sich auch in seinen vielfältigen und lebhaften kulturellen Interessen nicht nur in der bildenden Kunst, sondern auch in Musik und Literatur. Seine Haltung zu der aufstrebenden Frauenbewegung war stark von seiner ungewöhnlich gefühlsbetonten Verehrung seiner verstorbenen Mutter bestimmt. In der Rassenfrage wurde er damals noch nicht von den rabiaten Ideen seiner späteren Jahre beherrscht. Hamann führ sogar Nachweis, daß Hitler in Wien gute, ja 542