Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46. (1998)
ZEDINGER, Renate: Die „Niederländischen Pensionen“: Archivalien zur Geschichte der belgischen Emigration von 1794
Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 46/1998 - Rezensionen nigkeit über die Mittel und Wege zur Kriegsverhinderung zu finden. Die auch von anderen, bürgerlich-liberalen Kräften vertretenen Mittel wie Absage an die Geheimdiplomatie, Abrüstung, internationale Schiedsgerichtsbarkeit usw. waren ein Weg. Der andere Weg, nämlich die Ausrufung eines Generalstreiks im Ernstfall und die Revolution fand keine Mehrheit. Vielleicht hätte der für August 1914 geplante Kongreß in Wien die Internationale ein Stück weiter gebracht. Der Kriegsausbruch ließ nicht nur diesen Kongreß platzen, sondern die Internationale selbst zerbrechen, indem er und die von ihm ausgelöste Welle des Nationalismus die deutsche SPD veranlaßten, die Kriegskredite zu bewilligen und sich damit statt zum Internationalismus zum „Sozialpatriotismus“ zu bekennen. Dieser Linie folgte auch die Deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei Österreichs (SDAPÖ). Den Schulterschluß mit den Regierungen, vollzogen dann auch die französichen Sozialisten und die britische Labourparty. Es folgten die Jahre des „Burgfriedens“ zwischen den Regierungen und den Sozialisten. Die Internationale führte nur mehr ein Schattendasein. Die Februarrevolution 1917 in Petersburg brachte Bewegung in die festgefahrenen politischen Fronten. Im April lud das nach wie vor bestehende Exekutivkomitee des Büros der Interationale zu einer Konferenz im Mai nach Stockholm. Dahinter standen die sozialistischen Parteien der neutral gebliebenen Staaten. Im Mai beschloß das Komitee, die Konferenz zugunsten von Vorkonferenzen zu verschieben: man lud Vertreter einzelner sozialistischer Parteien, also länderweise, nach Stockholm. Im Juli gesellte sich der russische Sowiet zum Komitee, nachdem sein Plan einer eigenen Friedenskonferenz gescheitert war. Zwischen Mai und November 1917 kamen so Delegationen aus über 30 Ländern nach Stockholm und trugen ihre Ideen vor, wie man zu einem Frieden kommen könne. Aber schon Mitte September beschloß das Komitee, die Einberufung der Plenarversammlung der Konferenz auf unbestimmte Zeit zu verschieben, weil die Regierungen in Frankreich und England den Vertretern ihrer sozialistischen Parteien die Ausstellung der Visa verweigerten. Die Konferenz von Stockholm blieb also ein Torso. Dennoch löste der ganze Vorgang „ein ungeheures Maß von Hoffnungen in aller Welt“ aus (Scheidemann) und fand größte Publizität. Marins sehr verdienstvolles Buch bringt ein zweifaches. Es ist erstens eine kompakte, gut zu lesende Geschichte der Stockholmer Konferenz, eingebettet in die Geschichte der 2. Internationale, wobei er sich mit der Literatur kritisch auseinandersetzt. Zweitens geht er der Frage nach, welche Rolle die Partei Viktor Adlers in all diesen Fragen gespielt hat. Aus dieser Fragestellung erwachsen fünf Kapitel: Die 2. Internationale und der Ausbruch des Weltkriegs; die Geschichte der SDAPÖ von Hainfeld bis 1914; Einberufung und Verlauf der Stockholmer Konferenz; die SDAPÖ in Stockholm; die weiteren Ereignisse bis zum Herbst 1918. Marin hat nicht nur die Literatur in vielen Sprachen herangezogen, sondern auch wichtige Archivstudien betrieben, nämlich in den Wiener Archiven (Österreichisches Staatsarchiv und Verein für die Geschichte der Arbeiterbewegung), dann im Intemationaal Insti- tuut voor Sociale Geschiedenis in Amsterdam und im Arbetarrörelsens Arkiv in 540